DEDUST meets: Danny Nedelko (Deutsch)

DEDUST meets: Danny Nedelko (Deutsch)

Danny Nedelko (im obigen Bild liegend) ist Sänger der Band Heavy Lungs aus Bristol. Sie veröffentlichen Punkmusik, was in Zeiten des Brexit gar nicht mehr nach einem ausgedienten Genre klingt. Ihre bisherigen drei EP’s sind voller Energie, liefern verzerrte Riffs und einen Drummer, der ein absoluter Maniac in Action ist. Dazu bringt Danny Nedelkos markanter Gesang Humor genauso zur Geltung wie ernste Themen. Aktuell sind Heavy Lungs auf Europa-Tour und beschallen kleine Clubs mit vielen Dezibel. Vor ihrem Gig im Cassiopeia in Berlin hat Danny Nedelko zwischen zwei Zigaretten ein paar Fragen beantwortet.

DEDUST: Ihr habt auf der Tour schon ein paar Gigs in der UK gespielt. Wie war es bisher?

Danny Nedelko: Die Gigs waren gut. Das Wild Path Festival hat Spaß gemacht, Oxford war super. Es macht immer viel Spaß. Aber der Gig heute fühlt sich nach dem wirklich ersten der Tour an, weil wir jetzt den Ärmelkanal überquert haben.

Wie seid ihr auf Tour? Eine Band, die die ganze Zeit am Trinken ist oder konzentriert ihr euch auf die Musik?
Bisher war es eine Menge Autofahren und Aufenthalte in Hotels. Wir trinken ein wenig um uns zu amüsieren, aber die Show steht im Vodergrund. Es geht nicht darum, komplett fertig zu sein, sondern um die Musik. Wir sind sehr aufgeregt, es ist ein Segen und wir sind wirklich demütig, dass wir hier in Berlin und die ganzen Termine in Europa spielen können.

Vor kurzem habt ihr die „Measure EP“ veröffentlicht. Wie macht ihr Musik, wer gibt den Ton an?
Es ist ein kollektiver Prozess zwischen uns Vieren, alles eher fließend. Manchmal habe ich ein Riff und wir fangen damit an. Oder wir starten mit den Drums, aber es passiert alles zusammen und alle sind involviert. Ich schreibe die Lyrics, George hat beim Refrain zu „(A bit of a) Birthday“ geholfen. Es ist sehr kollaborativ, wir inspirieren uns gegenseitig. Wir haben eine Raum, wo wir uns treffen, ungefähr zweimal pro Woche, und hoffentlich machen wir nach der Tour noch viel mehr Musik.

Auf der Measure EP behandelst du Geburtstage. Du scheinst sie nicht allzu sehr zu mögen. Warum ist das so?
Es ist eher eine Ablehnung von den Alltäglichkeiten, die mit einer Geburtstagfeier einhergehen. Jeder Routine ist dasselbe und du wirst älter. Und je älter du wirst, desto weniger magst du diesen Ablauf. Vielleicht ist es ein kleiner Mittelfinger an all die stereotypen Feierlichkeiten an deinem Geburtstag. Es ist ein kleiner Spaß-Song auf der EP.

Du scheinst auch keine Geschenke zu mögen? Hast du in letzter Zeit beschissene Geschenke bekommen?
Ich mag Geschenke. Aber eines der schlimmsten Geschenke, das ich je bekommen habe, war ein Geschenk meines Onkels, als ich 16, 17 Jahre alt war. Ich habe eine manuellen Papierschredder bekommen, der so groß war *zeigt es mit den Händen* und ich hab mir nur gedacht: Was soll ich bitte mit 17 schreddern? Ich habe keine Dokumente, ich betreibe keine Geldwäsche, also was ist der Sinn davon?

Das erste Mal, dass ich von dir und deiner Band gehört habe, war im Idles-Song  „Danny Nedelko“. Wann hast du Joe kennengelernt?
Wir sind schon seit langem Freunde, seit über fünf Jahren. Ich habe in einer Kneipe in Bristol gearbeitet, wo der Bassist Dev mein Manager war. Er war also mein Chef und einfach durch die Arbeit dort habe ich die ganzen Leute getroffen und es ist eine wirklich gute Freundschaft daraus entstanden.

Wie wichtig sind Freundschaften für dich?
Klar sind die wichtig, Mann. Leute wie Joe inspirieren mich und pushen mich dazu, besser zu sein. Und man schaut zu seinen Freunden auf, deswegen sind Freundschaften wichtig.

Der Idles-Song beschäftigt sich mit Immigration. Du kommst aus der Ukraine, richtig?
Ja, ich komme aus Odessa in der Ukraine. Der Song nimmt sich wirklich all der positiven Aspekte an, die Immigration dem UK gebracht hat. Es ist ein Liebessong an die Immigrant*innen. Ich bin froh ein Teil davon zu sein.

Wann bist du in das UK gekommen?
Ich bin vor 11 Jahren gekommen, da war ich 15, jetzt bin ich 26. Also bin ich jetzt schon über eine Dekade im UK.

War es hart, ein neues Leben in einem anderen Land zu beginnen?
Ja, absolut hart. Ich habe davor schon Englisch gesprochen, seit dem Kindergarten, aber wie auch immer, es war ein richtiger Kulturschock. Ich hatte keine Freunde und musste schnell dazulernen. Aber im Rückblick, auch wenn ich es am Anfang nicht gemocht habe, kann ich es jetzt richtig genießen und liebe es.

Hast du mit dem bevorstehenden Brexit das Gefühl, dass sich das Klima in deinem Land in Richtung einer immigrationsfeindlichen Atmosphäre bewegt?
Es ist eine verdammte Sheißshow, die gerade im UK stattfindet. Absolut abgefuckt und dumm, du weißt schon. Ein völliger Wahnsinn, so lächerlich. Der Brexit wird immer wieder verschoben und ich hoffe er wird noch gestoppt. Die Situation ist lächerlich, aber Leute wehren sich dagegen, was gut ist.

It’s an absolute fucking shitshow. 

Danny Nedelko über den Brexit.

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