DEDUST meets: Joey Bargeld

DEDUST meets: Joey Bargeld

Beitragsbild: Julian Hülser

Er ist ein bisschen Punk, ein bisschen Zuecho, ab und zu fucked ab, aber gerade deswegen einer der vielseitigsten Rapper Deutschlands. Joey Bargeld hat nach etlichen Features u.a. mit Haiyti und Trettmann, sowie EPs mit Darko Beats und KischKrieg sein Debütalbum „Punk is Dead“ herausgebracht. Grund genug, ihn in seinem Studio in Hamburg zu besuchen, um über Musik und das Leben zu reden.

DEDUST: Darko Beats hat dein komplettes Album produziert. Warum hast du dir ihn ausgesucht?

Joey Bargeld: Schon als ich in Berlin war und die EP’s mit KitschKrieg gemacht habe, wollte ich ihn nicht in Hamburg lassen und sagen „Ciao, ich geh dann mal weiter“. Wir haben zusammen angefangen, das Projekt zu starten. Das „Projekt Joey Bargeld“ oder „Die Marke Joey Bargeld“ hat er immer gesagt, das mochte ich aber nicht. (lacht) Auf jeden Fall haben wir das zusammen gestartet und es ist für mich selbstverständlich, dass wir das zusammen weiter machen. Ich komme auch mit seiner Arbeitsweise gut klar, er lässt mich viel machen, redet mir nicht rein und bietet mir sehr viele verschiedenste Sounds an. Wir können auch mal zusammen einen Beat bauen oder arbeiten am Arrangement und es ist alles familiär und fühlt sich nach einem eigenen Projekt an. Es sind Loyalitätsgründe, aber ich hatte auch einfach Bock, was mit ihm zu machen.

Ihr habt 30 Songs gemacht und daraus dann das Album zusammengestellt. Wonach hast du die Tracks ausgewählt, die es aufs Album geschafft haben?

Ich hab spontan gewählt, nach Geschmack und Gefühl. Wirklich geplant habe ich das nicht, aber ein Track wie „Dancing Shoes“ musste zum Beispiel drauf. Man weiß natürlich nicht, ob die Songs so gehört werden, wie man sich das vorgestellt hat. Man plant das ein bisschen mit, ob das einschlagen könnte oder nicht. Aber ich weiß vorher nicht, wie viele Klicks und Verkäufe am Ende herauskommen, deswegen hab ich einfach nach meinem Gusto gewählt. Natürlich musste ich mich von einigen Songs trennen, die es dann nicht geschafft haben, auch wenn ich sie gerne auf dem Album gehabt hätte. Aber die sind ja nicht weg.

Bei Live-Auftritten hast du schon härtere Rocksongs gespielt, die leider nicht auf dem Album sind. Bekommt man die trotzdem noch zu hören?

Ich plane auf jeden Fall, die noch rauszuhauen. Bestmöglich nicht als Rock EP, so wie Jan Delay mit seinem Rockalbum. Aber einstreuen kann man die gerne, ich spiele die auch live bei den nächsten Shows alle wieder. Wenn ich ein zweites Album machen sollte, kommen da schon welche von denen drauf. Ich möchte da auch gerne weiter vermischen, sodass man sich nicht auf eine Richtung festlegt.

Auf dem Album hast du das geschafft, dort sind viele Genres vertreten. Man kann nicht sagen, dass es einen Standard Joey Bargeld und Darko Beats-Sound gibt, der auf dem Album komplett durchgepeitscht wird.

Ging auch echt nicht. Von Darko gab es schon vorgebaute Beats, die ich gepickt habe und die Sounds waren schon so. Zum Beispiel der Beat von „Trotzdem“ mit dem Sample. Ich habe das angehört, darauf geschrieben und dann war der Songs irgendwie schon da. Zumindest das Grundgerüst. So lief es fast die ganze Zeit. Wir haben auch mehrere Trapbeats gemacht, aber davon haben es dann nur zwei aufs Album geschafft.

„Trotzdem“ war auch die erste Single. Im Video rennst du halbnackt zwischen Polizeiautos durch Hamburg. Wann wurde das Video gedreht?

Beim Derby HSV gegen St. Pauli. Wir sind Feldstraße ausgestiegen und waren dann bei den HSV Fans, die kamen gerade mit der Polizei an. Ein paar fanden es scheiße und wollten nicht gefilmt werden, aber die meisten fanden es lustig, auch die Polizei. Ein bisschen Abwechslung zu diesem Alltagsjob. Auch wenn es natürlich kein Alltag war, es war ja Derby und was los. Aber die meisten saßen in ihren Autos und mussten warten und wir sind zwischendurchgelaufen. Leider kann ich keine YouTube-Kampagne machen, weil mein Arsch zu sehen ist. Das hat YouTube abgelehnt, deswegen konnten wir das Klickpotential nicht ausschöpfen. In den letzten Videos haben wir dann darauf geachtet, nicht zu viel Nacktheit zu haben. Bei „Britney Spears“ war es aber dasselbe Problem.

Aktuell kann man das Video auch nicht abrufen.

Ich war betrunken und hab das auf „Privat“ gestellt. Ist aber ne lange Geschichte. Wenn ich nicht voll und ganz zufrieden bin, dann will ich das auch nicht haben. Ein paar Dinge haben mich daran gestört und es war auch kein Hit-Video mit 500.000 Klicks. Deswegen habe ich es erstmal rausgenommen. Außerdem kommen noch zwei neue Videos, die nicht so schwere Kost sind. Die sind ein bisschen lustiger.

Im Pressetext wirst du als „letzter echter Punk“ beschrieben. Trotzdem heißt das Album „Punk is Dead“. Wie passt das zusammen?

Bei Namen ist es immer sehr schwer. Das ist immer spontan und dann hatte ich ihn im Kopf und fands gut. Vielleicht auch, damit im nächsten Pressetext dann nicht mehr steht „Punk is Dead“. Ich will mich auch nicht irgendeiner Gruppe zuordnen, der ich gar nicht angehöre. Respekt an jeden Punk, der es durchzieht, aber ich bin in dem Sinne halt kein Punk. Kann man das definieren? Ich weiß es nicht.

Was bedeutet „Punk“-sein denn für dich?

Auf Konventionen scheißen. Klingt auch blöd und infantil. Aber sich zumindest nicht dem ausliefern, was angeboten wird, ohne es zu hinterfragen. Sich eine eigene Meinung bilden, sich eine eigene Sache aufbauen, meinetwegen auch auf alles zu scheißen und auf der Straße zu hocken und zu betteln. Einfach sein Ding machen, frei von Zwang und Drang. Versuchen so frei wie möglich zu sein. Wir haben es hier in Mittel/Westeuropa noch relativ einfach. Wir werden vielleicht von den Medien ein bisschen gaga gemacht, aber wir haben schon freie Auswahl. Es gibt andere Orte, wo das nicht so leicht ist.

Sein Ding machen und dafür geradestehen. Ob du nun den ganzen Tag rumhockst und Bier säufst oder Businessmann-mäßig unterwegs bist und den ganzen Tag Geld machst. Das ist, wenn man das beschreiben sollte, Punk.

Bild: Lennard Schmitt

Comments are closed.
© 2019 DEDUST