DEDUST meets: Joey Bargeld

DEDUST meets: Joey Bargeld

Auf dem Album schwingt deine Abgefucktheit von politischen Fragen fast immer mit, auch wenn es wenig explizit politische Tracks gibt.

Das ist bei mir eine Art Weltschmerz. Ich habe relativ früh angefangen mit meiner Großmutter Tagesschau zu gucken. Ich habe diesen Vergleich, zwischen unserem Leben und dem, was da gezeigt wird, nie hinbekommen. Das hat für mich nicht zusammengepasst, noch nie. Ich musste nie hungern oder im Lumpensack rumlaufen. Wenn man das danebensetzt, hat mich das irgendwie verstört und es ist mit den Jahren schlimmer geworden. Man liest mehr und wird immer mehr mit Infos zugebombt. Man kann nirgendwo mehr hingehen, ohne dass man Nachrichten sieht, egal ob am Bahnhof oder auf dem Handy. Ich finde unser Konsumverhalten passt nicht dazu, dass Leute mit bloßen Händen Kobalt aus der Erde schürfen, damit du ein Handy hast. Diese ganzen Sachen, das hat mich abgefuckt. Ich bin auch kein Heiliger, der nur in Hanfschuhen und Hanfhosen rumläuft, nachdem er es selbst angebaut hat. Trotzdem versuch ich das nach und nach weniger werden zu lassen. Klamotten kaufen, mach ich nicht mehr. Meine Hose ist vier Jahre alt und ich hab noch eine andere schwarze. Das reicht mir dann auch, bis die ganz kaputt ist. Zumindest kann man den eigenen Fußabdruck kleiner halten und als Beispiel vorangehen. Wenn Leute dann noch irgendwann mitbekommen, dass es die Musik gibt und ich dadurch mehr Möglichkeiten bekomme, dann würde ich auf jeden Fall damit anfangen, Projekte zu starten. Das Einzige, was mich noch reizen würde an dieser Welt, wären soziale Projekte, soziale Arbeit. Alles andere ergibt für mich keinen Sinn. Warum soll ich BWL studieren? Brauch ich nicht, kann ich auch im Internet nachlesen, wie das geht. Kapitalismus in dieser Endphase oder extremen Turbokapitalismusphase finde ich widerlich und versteh ich nicht. Es gibt ja so ein neues Feindbild, das sind die dicken, alten, weißen Männer, hab ich mir sagen lassen. Das kann man schon so festhalten.

Der Track „Trotzdem“ beschreibt auch, dass du einfach dein Ding durchziehst. Bei manchen geht das eben auf, aber mit welchen Widerständen hast du zu kämpfen? Warum hören sich nicht alle Leute Joey Bargeld an?

Ich bin kaum aktiv. Ich überlege immer wie es wäre, wenn ich wirklich jeden Tag Content aus meinem spannenden Leben liefern würde, wie man das halt so macht. Das sollte man ja so machen: Drei mal am Tag posten, alles in guter Qualität, blablabla. Auf jeden Fall aktiv sein und die Community bedienen. Jetzt stagniert es ein bisschen, weil ich einmal die Woche ein Bild poste und es auch gerne wieder lösche. Ich kündige meinen Song einmal an und dann wars das. Ein paar hören sich die Songs ja auch an. Man muss schon aktiv sein, gerade Instagram, YouTube und Facebook sind da wichtig. Und wenn man das nicht bedient, fällt nicht so viel ab. Ich bin ja nochmal mit Trettmann auf Tour, vielleicht danach.

Auf „Trapen“ sagst du: „Jeden Tag am trapen, versuchs doch mal mit rappen“. Ist das genau dieses Phänomen, dass Leute sich gut inszenieren, viele Klicks haben, dafür aber wenig Substanz in den Songs?

In Amiland ist das nochmal härter. Wenn man genau hinhört, ist vieles ziemlich plump und immer dasselbe. Natürlich ist das ein Weg, sich selbst zu verwirklichen, sich selbst darzustellen und damit auch Cash zu verdienen. Wenn man die Formel gefunden hat und die Blase wächst, ist doch gut, sollen sie machen. Aber ich wills halt nicht und hör es mir nicht an.

5 Statements – Fakt oder Bullshit
mit Joey Bargeld

Du bist gerade nüchtern.
Fakt.

Bürojobs zerstören Leben.
Fakt.

Punk is Dead.
Bullshit.

Wir werden das Ende der Welt noch erleben.
Bullshit.

Haiyti ist die beste Rapperin Deutschlands.
Es gibt immer noch zu wenige, aber Fakt.

Der Grundton auf dem Album ist düster. Wie intim ist das Album geworden?

Es ist schon ein persönliches Album. Ich habe meine Gedanken und Gefühle auf Papier gebracht und dann auf Beats. Es kommt alles ziemlich spontan. Es ist klassisch, dass ich mir bei Darko etwas anhöre und wenn ich es fühle, schreibe ich darauf. Das hat keine Methode, das entsteht nach Gefühl. Durch diese Songauswahl, die ich getroffen habe, ist es schon ein ziemlich persönliches Album geworden. Vielleicht ist es auch erstmal gut für die nächste Zeit. Als nächstes eher Radiohits. (lacht)

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