Es regnet lila Dollar | Haiyti live im Täubchenthal

Es regnet lila Dollar | Haiyti live im Täubchenthal

Um wen geht’s?

Haiyti ist Trapqueen und Gangsta-Rapperin aus Hamburg. Zum ersten Mal groß in den Fokus geraten ist sie durch das Tape ‚City Tarif‘, produziert von AsadJohn. Seitdem gab es eine schier unglaubliche Outputwelle mit ungezählten Featuregästen und einer verdammt guten ‚Ich komm aus dem Club nicht raus‘-Tour zusammen mit Trettmann. 2018 dann das erste Major-Album, zu dem ihr alles Wichtige hier findet. Folgende Werke zählen zu den Veröffentlichungen von Haiyti aka Robbery: 120 Jahre (Hit), Runter von der Straße (Hit), Single (Hit), Garcon (Hit), Fiorucci (Hit) & Berghain (Hit).

Worauf muss man sich gefasst machen?

Auf den ultimativen Turn-Up. Zumindest war das bisher an der Tagesordnung, wenn ich Gigs von Haiyti besucht habe. Das schöne dabei ist, dass oft auch die ruhigeren Songs zur Eskalation führen, weil die Hooks meistens eingängig sind, dann mitgesungen wird, dann mitgesprungen wird und so weiter….

Was für Leute gehen auf ein Haiyti-Konzert?

Vor dem Gig hab ich stark befürchtet, dass sich viele Menschen einfinden, die Haiyti zum ersten Mal bei ihrem Major-Debüt mitbekommen haben. Außerdem musste man sich Sorgen machen, dass sich vor dem Täunchenthal überhaupt sehr viele Menschen einfinden. Das sollte man alllerdings nicht falsch verstehen, ich gönne Haiyti natürlich ausverkaufte Städte. Nur hatte ich die Befürchtung, dass das Täubchenthal als Location die Stimmung etwas kaputt machen würde. Es ist nämlich so, dass das Täubchenthal über einen fetten Ballsaal verfügt, der ungefähr mit dem Astra in Berlin zu vergleichen ist, wo Haiyti auch Halt gemacht hat. Die gleichen Säulen in der Halle, Platz für sehr viele Menschen. Wie ich an diesem eiskalten Sonntag herausfinden konnte, gibt es jedoch auch ein sog. „Club Zimmer“ im Täubchenthal, in das offiziell nur um die 270 Leute reinpassen, was dann gleich mal für bessere Laune sorgte, da die Stimmung viel intimer war, als in einer 1000er Location.

Auch in Bezug auf die vermeintlichen Major-Haiyti-Entdecker wurde ich beruhigt, denn das Publikum war viel zu textsicher, als dass es Haiyti erst seit Kurzem kennen konnte. Dazu gab es mal eine annähernde 50/50 Quote von Männern und Frauen, was sich bei Rapkonzerten auch nicht oft sagen lässt. Das liegt in diesem Fall sicherlich auch daran, dass mit Haiyti eine Frau auf der Bühne steht, wäre aber auch bei anderen Konzerten ganz angenehm.

Was ging beim Konzert?

Support

Wer vor Haiyti auftreten sollte, stand weder auf der Karte, noch irgendwo im Internet und wurde daher eine Überraschung. Fest steht, dass zwei Rapper und ein DJ die Bühne betreten. Wirklich identifiziert werden konnte nur Skinny Black Boy, der bei Erotik Toy Records rauskommt und gerade mit seinem ersten Album am Start ist. Er übernimmt zumindest den größeren Part auf der Bühne und da sein rappender Partner noch nicht erkannt werden konnte, wird er einfach mal Adlib White getauft. Erklärt sich von selbst, wie man da drauf kommt. Dem Dude muss man auf jeden Fall zugestehen, dass er die Adlibs wirklich mit so viel Inbrunst vorträgt, wie kaum jemand, den ich bisher live rappen gesehen hab. Er verrenkt sich, schreit ins Mikro, dabei immer top Timing – good Job. Insgesamt wirken die Mikros und Beats nicht ganz so gut abgmischt, wie dann beim Haiyti-Auftritt, trotzdem macht der Support Lust auf mehr. Das Album von Skinny Black Boy ist auf jeden Fall zu empfehlen, da es einen ganz wunderbar verträumten, schwebenden Trap-Sound hat und dazu auf Englisch daherkommt. Sowieso geht bei Erotik Toy einiges geiles, wie bspw. der Rapper Tightill, der diesen Track zusammen mit M.O.M am Start hat. Checkt das!

Haiyti

Als DJ kommt AsadJohn hinters Pult, was passt, da er ja Produzent von City Tarif ist. Haiyti kommt mit eigenem Montenegro Zero Merchshirt und Jogger auf die Bühne und fängt an zu erklären, wie sie ihre Kippen smokt (wie Kate Moss). Wie schon erwähnt, ist das Publikum textsicher und es dauert nicht allzu lange, bis ein kleiner Moshpit entsteht. Falls jemand noch unterkühlt vom ekligen Wetter war, ist das Aufwärmprogramm hier innerhalb von wenigen Minuten erledigt.

Im Laufe des Konzert ergibt sich ungefähr in der Mitte des Raums eine gedachte Trennlinie. Alles davor ist in Bewegunng, hinter der Linie wird sich das Ganze etwas zurückhaltender angeguckt. Das Pogen ist, wie so oft bei Rapkonzerten, eher Kuschelpogo, zieht sich aber durchgängig durch den Auftritt. Sogar der Einsatz von Smartphones hält sich im vorderen Bereich einigermaßen zurück, trotz des ziemlich jungen Publikums.

AsadJohn macht seine Sache gut, vor allem spendiert er am Zweitmikrofon ab und zu Adlibs, was gut rüberkommt. Auch Haiyti rappt souverän, steigt immer wieder mal auf eine kleine Erhöhung und hat sichtbar keine Probleme mit der Nähe des Publikums und der beengten Bühne. Das Autotune-Mic ist sauber eingestellt, große Unterschiede zum Klang der Alben sind nicht vorhanden.

Ein bisschen erstaunt war ich über den Bericht von noisey Austria und the message, die beide eine Rezension zu Haiytis Konzert in Wien geschrieben haben. Dort hatte das Publikum offensichtlich weniger Motivation richtig aktiv zu werden. Nachdem ich diese Berichte gelesen hatte, war ich noch ein bisschen happier über den Verlauf des Abends in Leipzig, da eine ähnliche Stimmung vielleicht auch im großen Ballsaal geherrscht hätte.

So bleibt der Abend dagegen belebt, das Publikum wird auch noch aktiv eingebunden. So darf ein Fangirl Schnaps an die ersten Reihen ausschenken. Für den Part von Joey Bargeld wird ein Fanboy auf die Bühne gebeten, der seine Sache zum Erstaunen Aller ziemlich souverän meistert. Die Setlist schließt leider keinen Song von City Tarif ein, wobei man Hayiti nicht einmal böse sein kann, da sie einfach Unmengen an Tracks in der Pipeline hat. Daher gibt es auch nicht nur Werke vom aktuellen Album, sondern einen ausgeglichenen Mix, was bei Haiyti dann Hit an Hit bedeutet.

Mal gibt es Tracks von der Straße, mal Gangsta-Image, mal die Träumereien von fernen Ländern und dem großen Wohlstand. Die kleine Location trägt dazu bei, dass sich auch schnell die Leute gefunden haben, die den Kreis zum Pogen immer wieder öffnen – ein sehr schönes Ritual, das einen den kommenden Wochenstart vergessen und den Sonntag sorgenfrei erscheinen lässt. Am Ende glauben hier alle, dass sie ein Haus in Monacco besitzen.

Der geilste Live-Song?

Ist „Berghain“. Der Beat macht hier mal eine Ausnahme vom typischen Trap-Sound, ohne irgendetwas an Energie zu verlieren. Der Text in der Hook ist denkbar simpel und gegen Ende des Konzerts bestens geeignet, um noch einmal alle zu Mitsingen zu bringen. Für mich auf jeden Fall einer des unterhaltsamsten Track von Montengro Zero. Da es zu dem Song leider kein Video gibt, hier einfach ein Track, der vielleicht ein wenig Inspiration war.

Fazit

Es wurde gerappt, Schnaps verteilt, gesprungen, lila Dollar wurden geschmissen. Die kleine Atmosphäre hat dem Gig von Haiyti gut getan und ihn zu einem überaus positiven Erlebnis gemacht, das den Sonntagabend auf der Couch zu einem völlig unnötigen Konzept runterstuft.

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