Odonkor lääääuft | The Screenshots live in der Kantine am Berghain

Odonkor lääääuft | The Screenshots live in der Kantine am Berghain

Um wen geht’s?

The Screenshots bestehen aus drei User*innen von Twitter, die im Internet stark performen und das auch mal mit Instrumenten auf einer Bühne ausprobieren wollten. So stelle ich mir zumindest die grundsätzliche Idee dieser Bandgründung vor. Wer nicht auf Twitter ist, hat die Gruppe wahrscheinlich schonmal in Neo Magazin Royale spielen sehen, wo sie allerdings nur als unbeleuchtete Silhouetten in Erscheinung getreten sind und damit knapp dem öffentlichen Leak ihrer Gesichter entgangen sind. Sehr mystische Voraussetzungen für ein Konzert.

Wer geht auf ein Konzert von The Screenshots?

Apropos mystisch. Die Besucher*innen des Konzerts waren wahrscheinlich das größte Rätsel des Abends. Nicht ohne Grund zeigen viele User*innen ihr Gesicht nicht gerne öffentlich. Beim Gig war dieses Problem schwer zu vermeiden, wurde aber souverän dadurch gelöst, dass einfach so viel Alkohol verteilt wurde, dass die Erinnerungen an den Abend zwangsläufig verschwimmen mussten und keine deutlichen Gesichtszüge hängengeblieben sind. s/o an dieser Stelle an @topkekbaka, der vor der Kantine mit einem Kasten Bier anwesend war und Freibier im Gegenzug für ein Twitter-Follow verteilt hat.

Dazu liefen auf einer portablen Musikbox die größten Hits der sh00ters (eif alle songs im shuffle mode) und der Abend war bereits ziemlich gut. Es gab wenig Gründe dafür, dass man sich tatsächlich noch in die Location hineinbegeben sollte. Aber nachdem einige Besucher*innen als „unehrenhaft“ beschimpft wurden, weil sie sich kein Freibier gönnen wollten, hatten sich irgendwann genug Menschen mit Ehre gefunden und Kasten war leer. Damit gings dann doch rein in die Kantine am Berghain.

Zusammenfassen kann man das Publikum als trinkenden St00dent*innens plus ein paar bekanntere Gesichter. Ausruf an den anwesenden Autor Benjamin Quaderer, der sehr gute Texte schreibt.

Was ging beim Konzert?

Support: MC Smook

Vor MC Smook hat Niklas Wandt noch diverse Songs aufgelegt, aber bin da ehrlich, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt noch im Vorraum aufgehalten und Gespräche über wichtige Themen geführt habe. Zum Beispiel über Rap. Passend dazu kommt auch Smook auf die Bühne und fragt motiviert in die Runde: „Wer ist heute wegen HipHop hier?“ Die Antwort (teilweise): „j@@@@@@!“ Smook: „Dann seid ihr hier falsch.“ Daraufhin folgt ein vorher zusammengestelltes Set von ungefähr 20 Minuten bei dem Smook eine Auswahl seiner fast unzähligen Hits rausballert. Die Performance ist sehr stabil und bringt Tracks wie „Modus Mio“ oder „Kola mit Ice“ mit sich, die für langjährige Fans natürlich wahre Klassiker sind. Da Smook wie immer nah am Zeitgeist ist, gibts auch noch einen unveröffentlichten Track zu hören, der den Gütekriterien von aktuell erfolgreicher Musik genügt und folgerichtig als Halbplayback abgespielt wird. Stark.

The Screenshots

Einen schattenhaften Auftritt wie im Neo Magazin gibt es in der Kantine von den Screenshots nicht. Die Beleuchtung ist zwar gedimmt, aber die Menschen hinter den Usern sind hier ziemlich deutlich erkennbar. Ehrenhaft daher, dass die meisten Leute auf dem Konzert ohne ihre Smartphonekamera auskommen und einfach die Musik feiern. Eine gewisse Entzauberung hat es trotzdem, wenn man die Gesichter von Kurt, Dax und Susi auf einer Bühne vor sich sieht und der Phantasie damit viel weniger Spielraum gelassen wird, als es bei einem gezeichneten Profilbild der Fall ist.

Das Schöne an der Livemusik der sh00ters ist aber die Tatsache, dass sie hier niemand mehr wirklich ironisch hören kann oder will. Auf Spotify mag das noch funktionieren, aber wenn der Marshall-Verstärker erstmal angeht, sind die Songs der Screenshots einfach gute Rockmusik. Wirklich viele Songs haben die drei natürlich nicht im Programm, aber es ist ja auch die erste Tour und die Intensität der gespielten Titel reicht locker aus, um die Zuschauer*innen zu begeistern.

Gerüchteweise soll der Moshpit in Hamburg aus drei Menschen bestanden haben, Berlin liefert da deutlich stabiler ab und lässt wirklich sehr wenig Platz vor der Bühne. Beim Track „Fußball ist cool“ kann ich mich auch nicht mehr halten und jetzt immerhin behaupten, dass ich so ein paar Typen von Twitter mit dem Ellenbogen bearbeitet habe. So kann ein Usertreffen doch funktionieren. Abgeschlossen wird das Konzert von einem kleinen Teil des kirchlichen Smash-Hits „Danke für diesen guten Morgen“, der unter anderem schon von der wahrscheinlich bald nicht mehr existierenden Band „Die Ärzte“ verwendet wurde. Da sucht sich jemand große Fußstapfen.

Der beste Live-Song?

Ist „Deutschland“. Der Song ist der perfekte Aufbau aus simpler Bassline von Susi Bumms und den immer wieder wild hereinkrachenden Klängen von Dax‘ Gitarre und Kurts Schlagzeug. Das alles steigert sich am Ende zu einer großen Masse Rockmusik, bei der Kurt seine Drums komplett auseinanderballert, Dax ins Mikrofon schreit und die Zuschauer*innen mit einem Kopfkino zurückgelassen werden, in dem sich der Lauf eines gewissen Odonkor immer wieder abspielt. Gänsehaut.

Fazit

Die besten Gigs sind immer noch die, bei denen das Flixbusticket in die Stadt mehr kostet als der Eintritt zum Konzert. Wenn dazu noch Alkohol, sauber gearbeitete Rockmusik und Deeptalk über Deutschrap und Verschwörungstheorien am Merchstand kommen, dann gibts nicht viel zu verbessern. 10/10 gerne wieder – j@@@@@@@@@@

Comments are closed.