Real keepen | T9 live in der Damenhandschuhfabrik

Real keepen | T9 live in der Damenhandschuhfabrik

Um wen geht’s?

T9, das sind Torky Tork (das „T“) und DoZ9 (die „9“). Torky seinerseits ist begehrter Beatbastler, macht viel BoomBap-Zeugs für Rapper, kann aber auch Grime und seine eigenen Releases kommen meist ohne Rap, dafür aber mit weirden Samples aus. DoZ9 kommt aus Ostdeutschland und macht verfrickelten Rap. Zusammen gibt es mittlerweile drei Alben, die in den Jahren 2015, 2016  und 2017 entstanden sind. Alles, was ihr zum letzten Album wissen müsst, findet ihr hier.

Worauf muss man sich gefasst machen?

Kurzum gesagt: Auf sperrigen Rap. Das ergibt sich allein schon durch die Kombi von diesen beiden Dudes. Wenn man sich mal das Projekt „PR-110“ von Torky anhört, kriegt man schon einen ungefähren Eindruck davon, mit welch ungewöhnlichen Einflüssen dort gearbeitet wird, denn alle Samples stammen aus der DDR-Krimiserie „Polizeiruf 110“. Die Texte von DoZ arbeiten viel mit Metaphern und malen Bilder, die meisten nur durch mehrmaliges Hören entziffert werden können. Dazu kommt ein spezieller Flow, den er auf dem Track Doztorkevsky mal richtig ausgereizt hat.

Was für Leute kommen zum T9-Konzert?

Da T9 den Untergrund representen, kommen zum Konzert in der Regel auch Leute, die quasi dieser Untergrund sind. Dazu passt die DHF perfekt als Location. Sie ist relativ klein, verraucht und nicht für Schickimickie-Outfits gemacht, sondern für Jogginghosen. Anstatt also das Handy rauszuholen und die Insta-Story aufzupeppen, zünden sich die Besucher hier lieber ein Räucherstäbchen an, da hab ich mich dann auch gleich eingereiht. Diese Insta-Sucht ist eh schon komplett übertrieben, wie auch DoZ gerne in seinen ~Insta-Stories~ anhand seiner beiden Tourkollegen Torky und DJ Access erklärt.

Was ging beim Konzert?

Support

Eigentlich sollten T9 ja zusammen mit Dexter auftreten, der ist dann allerdings krank geworden. Als neuer Support wurde kurzerhand Yeshe verpflichtet, den ich vorher noch nicht kannte. Ich würde jetzt gern ein paar Worte zu seinem Auftritt schreiben, das Schicksal wollte es allerdings anders. Ich und meine Begleiter kamen schlicht zu spät, um noch eine einzige Line zu hören, was daran lag, dass wir einen Bus später als geplant nehmen mussten, was daran lag, dass jemand noch einmal zurück in die Wohnung musste, was daran lag, dass dort noch vorgedrehte Stiks rumlagen und naja sowas eben. Daher macht euch einfach ein eigenes Bild vom ihm, hier ein erster Vorgeschmack.

T9

Der Gig ist, wie zu erwarten, weniger fürs Ausrasten angelegt, sondern eher zum Genießen von astreinem Untergrund -Shit. Da kann man dann auch einfach mit den Händen in der Tasche dastehen, mit dem Kopf nicken und ab und zu Punchlines im Takt mitrappen. Damit dieses klassische, etwas starre Konzept mal aufbricht, haben sich T9 direkt für den Beginn was einfallen lassen. Bevor DoZ nach Torkys Aufwärmprogramm überhaupt auf die Bühne kommt, müssen alle Besucher den schönsten Mann im Raum mit Gesang locken, wie es im Intro des aktuellen Albums vorgemacht wird. Das klingt dann zwar etwas schiefer, aber trotzdem wunderschön und bringt Doz auf die Stage.

Das Publikum ist auch sonst textsicher, vorne liefern die beiden Künstler treffsicher ab. Neben den eigentlichen Tracks von den drei Alben spielen sie auch alte Sachen, an denen Doz beteiligt war, sowie Torky-Beats, die auf „Normaler Samt“ von Audio88 & Yassin verwendet worden sind. Alles durch die Reihe weg also.

Etwas aus der gewöhnlichem Programm fällt der Song „Bimmies im Club“, der sehr fonky daherkommt und die Leute mal ein bisschen in Bewegung bringt. Im Text geht DoZ sogar auf das sog. Jugendwort „I Bims“ ein, mit „Dulli“ wird noch der sächsische Slang bekannter gemacht. Eine Lehrstunde in Sachen facettenreicher Einsatz deutscher Sprache und dazu fantastische Drums im Beat.

Man sollte zudem erwähnen, dass die beiden neben der Musik mittlerweile auch ein starkes Fashiongame etabliert haben und in Trainingsanzügen von Ajax Amsterdam auftreten, was sehr swaggy aussieht. Dazu hat DoZ vor der Tour noch, wie ein echter Influencer das so macht, einen Deal mit Birkenstock abgeschlossen, die ihn jetzt sozusagen ausrüsten. Was für ne Mischung.

Dazu sollte man vielleicht noch die Durtslogs bei Facebbok erwähnen, bei denen DoZ seine Wochenenden inklusive der Auftritte beschreibt und dabei die ein oder andere Eskapade offenlegt. Sollte man sich nicht entgehen lassen.

Der geilste Live-Song…

…ist „Tiff“. Auch wenn diese Auswahl vielleicht nicht überrascht, aber „Tiff“ ist einfach ein gottverdammter Hit. Außerdem kann dabei jeder und jede auf dem Konzert noch ein letztes Mal mitgröhlen, was zum Teufel sechs Monate Promo sollen. Klassischer Rap-Move, so mit Mirkofon Richtung Publikum halten undso. Muss es auch geben. Wie ich in Berlin rausfinden konnte, ist dieser Hit selbst bei Rapfans beliebt, die sich sonst nicht mit T9 beschäftigen, was ja ein schöner Ausbruch aus dem Untergrund-Dasein ist.

Fazit

Am Ende kann man sagen, dass die Show sehr dope geworden ist. Trotz Dexters Wegfall war die DHF vollgestellt und wurde auch anständig vollgequalmt. T9 haben geliefert, die Besucher haben das zu würdigen gewusst. NICENSTEIN würde DoZ jetzt vielleicht dazu sagen. Vielleicht auch nicht. Wer weiß schon, wie sich diese Jugendsprache weiterentwickelt, bestimmt findet sich die Antwort auf dem nächsten Album. (Hier ein Beispielsong von Album No.4)

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