24 Hits für Dezember 2018

24 Hits für Dezember 2018

Wenn man schon keine Zeit mehr findet, um anständig lange Beiträge zu schreiben, kann man wenigstens kurze Pieces mit wenig Substanz raushauen. Das gilt nicht nur für die deutsche Medienlandschaft, sondern seit ein paar Monaten auch für den Blog. Wobei ich eigentlich auch kaum kurze Sachen veröffentlicht hab. Naja.

Damit der Dezember noch gefüllt wird, gibts ab jetzt jeden Tag einen guten Track aus 2018, der hier in den Beitrag gepackt wird. Bis wir bei 24 sind. Denn wenn schon wenige sehr gute Alben rauskommen, kann man sich immer noch an ein paar Singels oder random ausgewählten Songs erfreuen.

1/ 24

Calva Louise – Outrageous

Calva Louise werden im nächsten Jahr vielleicht das, was Black Honey dieses Jahr geworden sind. Eine Newcomer-Band aus der UK, die ihr Debütalbum herausbringen, und damit in Europa für Aufmerksamkeit sorgen. Aus einer wirklich sehr kleinen Menge an Tracks, die vor einem Jahr auf Spotify zu finden waren, sind mittlerweile einige mehr geworden, dabei alle stark. Lasst euch also mit dem ersten von 24 Tracks ein wenig von Frontfrau Jess Allanic anschreien.

2/24

Caramelo – Kein Stress

Der gute Caramelo aus  Rheda-Wiedenbrück hat in diesem Jahr gleich zwei Mixtapes rausgeballert. Das erste davon trägt den Titel „Sirius B“ und hat mir persönlich ein bisschen besser gefallen als „Stairway 2 Heaven“. Absoluter Sommerhit von Sirius B ist der Track „Kein Stress“ mit einem wunderbaren Beat von Interstate. Ein trippy Video gab es nach dem Release auch noch dazu. Anhören und an wärmere Tage denken.

3/24

Slaves – Chokehold

Ja, das dritte Album von Slaves war solide. Sicher nicht das beste Rockalbum des Jahres, allerdings auch kein Flop, und das, obwohl Isaac und Laurie ihren Stil kaum verändern. Das Album ist aktuell sogar das letzte, zu dem hier eine Review erschienen ist. Was nicht daran lag, dass die danach erschienen Alben keine Rezension wert gewesen wären, sondern eher an mangelnder Zeit. Chokehold ist zwar einer jener Songs, die sich nicht der Politik, dafür aber der Liebe widmen, überträgt das im passenden Video aber wunderbar auf die beiden Bandmitglieder. Sie haben sich einfach lieb, da helfen auch keine anderen Stardrummer von der Insel. Gut so!

4/24

Die Achse -Angry German

Die Achse besteht aus den Produzenten Farhot & Bazzazian und ist bisher mit einigen hochklassigen Beats im deutschen Rap aufgefallen. In diesem Jahr stand mit der Angry German EP dann die erste „eigene“ Veröffentlichung an und hat mit Sicherheit einige Lautsprechanlagen an ihre Grenzen gebracht. Viel Power, viel Wut, viel Bass, der clevere Einsatz von Featuregästen und spektakuläre Videos haben „Angry German“ in diesem Jahr zu einer der besten EP’s gemacht.

5/24

King Nun – Heavenly She Comes

Mit King Nun steht eine weitere Band aus dem UK vor dem Durchbruch. Also Hoffentlich. Musikalisch sind die ersten Songs, die innerhalb der letzten zwei Jahre erschienen sind, schon längst reif für ein größeres Publikum. Auch die aktuelle EP „I Have Love“ zählt dazu, auch wenn sie von der Intensität nicht an die vorigen Projekte heranreicht. Der Track „Heavenly She Comes“ ist da allerdings die Ausnahme und setzt auf die typischen, stark verzerrten Gitarren. Zumindest steht für die Band jetzt die erste eigene UK-Tour an, da kann es ja gar nicht mehr so lange dauern, bis auch der Rest von Europa dran ist. Vielleicht mit einem zugehörigen Debüt-Album, fingers crossed für 2019.

6/24

GPC – 1000 € in 20nies

Wenn mich Deutschrap in diesem Jahr kaum überzeugt hat, dann sollte ich den Untergrundrap an dieser Stelle wohl ausklammern. Releases aus dieser Kategorie haben das Genre in diesem Jahr interessant gehalten und auch das neue Album von GPC zählt dazu. MIt „1000 € in 20nies“ haben er und Produzent AsadJohn einen absoluten Hit mit einer Loop-tauglichen Länge von 2:30 min gebastelt, Punchlinehagel und denkbar simple Hook inklusive. Ich kann Menschen, deren Lieblingsapp nicht der Rechner ist, seitdem nicht mehr ernst nehmen. Einen kurzen Bericht zum GPC-Konzert in Hamburg könnt ihr übrigens hier lesen. Grooob!

7/24

Mac Miller – Self Care

Leider kann man in diesem Jahr nicht nur über ein tolles Album von Mac Miller reden, sondern vor allem über seinen viel zu frühen Tod. Zwischen Albumrelease und seinem Tod lag nur etwas mehr als ein Monat. Beim Anhören des Albums konnte man sogar meinen, dass er möglicherweise einige seiner Probleme überwunden hätte und auf einem Weg zu einem kontrollierten Drogenkonsum wäre. Aber auch die dauerhafte Verfügbarkeit von Drogen und die ständige Gefahr, wieder in den Rausch zu geraten, wird thematisiert. In der Review zum Album „Swimming“ steht das alles noch ausführlicher drin, mit Mac Millers frühem Tod hätte ich damals nie gerechnet. Rest In Peace.

8/24

Sonne Ra – Terrorist

Der Mula Sonne Ra hat mit seinem Album „Eh Olo“ ein richtig starkes Untergrundalbum veröffentlicht. Das zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass man sich beim Hören gerne ein paar Jibbits und eine Gin-Mische in den Korpus ballern will, gleichzeitig aber auch viele politische Inhalte zu finden sind. Seine Hautfarbe und den Alltagsrassismus, dem Sonne Ra ausgesetzt ist, hat er auch davor immer wieder thematisiert, auf Eh Olo treibt er das Ganze lyrisch auf die Spitze. Bestes Beispiel ist der Track „Terrorist, der mit zwei zynisch-agressiven Parts von Audio88 und Yassin ausgestattet ist. Alle guten Deutschen schmecken gut mit Bananen, ich wünsche guten Attentat!

9/24

Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel & Casino

Man war ich angepisst, als die Arctic Monkeys ihr neues Album veröffentlicht haben. Zum einen, weil es absolut nicht dem entsprach, was ich mir davon erhofft hatte, zum anderen, weil sich dieses Gefühl auch nach mehreren Wochen und ungezählten Durchläufen nicht änderte. Die Folge waren zwei eher negative Rezensionen und deutlich zu lange Diskussionen über die Einordnung dieser LP. Mittlerweile hab ich Frieden mit dem Album geschlossen, mich mit der Produktionsweise angefreundet und es dann doch noch sehr häufig in der Freizeit gehört. Der Titeltrack ist einer der besten Songs des Albums, die Bassline von Nick O’Malley fantastisch.

10/24

BLVTH –  Pusher

BLVTH hat in diesem Jahr richtig abgeliefert und sich auf jeden Fall den Status als bester Newcomer verdient. Einen Preis gibt es in Deutschland dafür nicht, denn BLVTH hat weder eine riesige Fanbase, noch macht er schlechte Musik. Trotzdem hat er nicht gerade wenig Aufmerksamkeit bekommen und mich vor allem live absolut überzeugt. Ein paar Worte zu seinem Auftritt als Support von Ahzumjot kann man hier nachlesen und sich vielleicht auch schon zu den Websites der bekannten Tickethändler begeben, denn im nächsten Jahr steht die erste Solotour an.

11/24

Baxter Dury, Etienne de Crécy & Delilah Holliday – White Coats

Ein britischer Mann im mittleren Alter, ein französicher House-Producer und eine Punkmusikerin nehmen zusammen ein Album auf. Was dabei herauskommt, ist das experimentelle und wunderbare Album „B.E.D.“. Es kombiniert die oftmals gesprochenen oder auch schlingernd gesungenen Texte von Baxter Dury und die deutlich melodischeren Inhalte von Delilah Holliday mit klinisch und minimalistisch komponierten Beats. Die Lyrics schwanken zwischen kryptischen Inhalten, Sehnsüchten, zynischem Pessimismus und Sex. Ein Album außerhalb jeder sinnhaften Kategorie, das den Titel „White Coats“ als Videosingle präsentiert.

12/24

Haiyti – Berghain

Das Jahr 2018 hat Haiytis erstes Album beim Major-Label Universal mit sich gebracht. Das hat glücklicherweise wenig an der Art und Weise von ihren Tracks geändert, was sicherlich auch an der stilsicheren Gestaltung der Kitschkrieg-Beats liegt. „Montengro Zero“ war vielleicht kein Meilenstein, aber eben eines der guten Deutschrapalben 2018, was einiges heißt, da es nicht gerade viele davon gab. „Berghain“ ist irgendwie zur geheimen Hitsingle des Albums geworden, auch wenn es keine Videoauskopplung gab. Brachialer Beat, einfache Hook, beste Adlibs im Haiyti-Stil, mehr kann man wirklich nicht wollen.

13/24

Skinny Finsta – Teich

Am heutigen 13.12 soll die Arbeit vom Heidelberger Rapper Skinny Finsta gewürdigt werden. Im Februar hat er mit seinem Tape „Spieler der Liebe“ eines der spannendsten Projekte des Jahres veröffentlicht und seine Liebe und Hingabe für Memphis zementiert. Der Bezug zu Memphis und dem Dirty South hat sich in den letzten beiden Jahren sowieso zu einer sehr lebendigen und vielseitigen Strömung im deutschen Untergrund entwickelt und macht richtig viel Spaß. Ausruf an dieser Stelle auch an Jan Wehn, der sich vor Kurzem mit Skinny Finsta getroffen und einen Podcast für ALL GOOD aufgenommen hat. Den kann man sich hier anhören und dabei eine Menge über Rap aus der dreckigen Ecke der Staaten lernen. Davor solltet ihr euch aber mit der Hitsingle „Teich“ in die richtige Stimmung bringen.

14/24

NxxxxxS – Remedy

Ohne Frage gab es in diesem Jahr einige gute Instrumental-Alben, das beste Werk eines Beatbastlers kommt allerdings von NxxxxxS, auch wenn es sich dabei nicht einmal um ein instrumentales Album handelt. Denn auf „FRIENDZONE“ finden sich befreundete Rapper*innen, die jeweils ihre Parts zu den Instrumentals beitragen. Das ist soulig, langsam gehalten und eben trotzdem im unverkennbaren Stil von NxxxxxS‘ Trap-Sound gehalten. Der Opening-Track zusammen mit Mariah & Senpu bringt diese Stimmung schon sehr gut rüber und kommt auch mit wenigen Lyrics aus, die dann im zweiten Titel nachgeholt werden. Ein wirklich sehr gutes Projekt, das es jetzt nur noch als Vinyl geben müsste.

15/24

Parquet Courts – Total Football

Parquet Courts sind für mich eine der positiven Überraschungen des Jahres. Die Band macht zwar schon lange Musik, hat aber mit ihrem Album „Wide Awake“ nochmal einen richtigen Sprung in Sachen Reichweite gemacht. Ihr Genre nennt die Band „Americana Punk“, was sie wohl irgendwie von einem europäischen Punk der aktuellen Stunde abgrenzen soll. Und tatsächlich klingt die instrumentale Gestaltung nicht nach dem, was man vielleicht aus dem UK erwarten würde. Deutlich komplexere Songstrukturen, eine sehr freie Bassgestaltung und insgesamt weniger treibende Elemente stellen am Ende allerdings auch eine tolle Basis für Punkmusik dar, zumindest hier. Hitsingle: Total Football.

16/24

The Screenshots – Fußball ist cool

In der Blogbeschreibung wird deutscher Rock als schwierig bezeichnet. Und wenn ich mir 2018 in diesem Genre so anschaue, dann bleibt diese Beziehung wohl auch so bestehen. Die Shooters würde ich daher einfach mal zum Genre Twitter-Rock zuordnen, um hier Peinlichkeiten zu vermeiden. Manchmal braucht man anscheinend drei Poweruser*innen, um mal irgendetwas Neues zu schaffen. Kurt Prödel, Dax Werner und Susi Bumms haben das auf jeden Fall geschafft. Das zweitbeste Ereignis, das dieses Jahr mit deutscher Rockmusik in Verbindung steht, war übrigens der Twitter-Grind von Max Rieger. Daran sollte sich dringend etwas ändern.

17/24

Idles – Samaritans

Idles haben ein sehr gutes Album herausgebracht, waren ausgiebig auf Tour und können als die Überflieger im politschen Rock der letzten beiden Jahre gesehen werden. Wenn man sich schon Musik von weißen, eruopäischen Männern anhören will, dann sollte man am Idles hören. Die Band nimmt sich dem vorherrschenden Männlichkeitsbild in der westlichen Gesellschaft auf eine mitreißende Art und Weise an. Die Thematik zieht sich an verschiedenen Punkten durch das aktuelle Album „Joy as an Act of Resistance“, zeigt sich besonders schmerzlich in „June“ und agressiv im Song „Samaritans“, der im Zusammenspiel mit dem Video defintiv zu den besten zehn Singleauskopplungen des Jahres gehört.

18/24

Joey Bargeld – Kamikaze

Der Jahresoutput von Joe Bargeld ist sehr ambivalent gewesen. Auf der einen Seite hat er zwei stabile EPs veröffentlicht und damit seine EP-Trilogie vervollständigt, auf der anderen Seite mehrere (kleine) Gigs gespielt, bei denen haufenweise Material rausgeballert wurde, das weiterhin unveröffentlicht ist. Allen voran sind hier seine wirklich exzellenten Rocksongs zu nennen. Aber: Es gibt gute Nachrichten, denn nächstes Jahr soll das Debütalbum und eine Tour folgen. Bis dahin kann man sich mit dem Hit Kamikaze von der EP „1.1“ vergnügen.

19/24

mh – just picked up these new flip flops👌👌

Als Hit Nr. 19 gibt es einen Remix von Bhad Bhabies Song „Gucci Flip Flops“, der in diesem Jahr inklusive Lil Yachty Featurepart auf ihrem Album „15“ erschienen ist. Ehrlich gesagt, hab ich keine Ahnung mehr, wie ich an mh geraten bin, aber Souncloud mit französischem Trap bringt einen immer irgendwo hin. Viel weiß ich von dem jugen Dude nicht, man kann seine Beats im Internet kaufen, was soweit erwartbar für einen Produzenten ist. Sein Remixes sind auf jeden Fall dope, hört sie euch an. „Gucci Flip Flops“ ist zwar eh schon ein Hit von Bhad Bhabie, hört man sich allerdings den Remix an, dann findet man das originale Instrumental fast langweilig.

20/24

Haiyti & GPC – 10er Pack

Major-Album, Mixtape, Featureparts: Haiyti hat 2018 wie gewohnt stark performt. Ihr Mixtape „ATM“ hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht, wenig Interesse an deepen Aussagen gehabt und einfach drauflos gefeuert. Beste Line: Du denkst ich geh zum Sport, weil ich Umbro trage. Bester Track: 10er Pack, der ein weiteres Mal beweist, dass GPC gut zählen kann. Währenddessen feuert Haiyti lieber scharf: Feuer zehn Schuss ab, wenn du ein‘ Fehler machst.
Einmal Party und es endet bei zehn Jahr’n Knast.

21/24

Black Honey – Midnight

Die beste Newcomer-Band des Jahres ist immer noch ungesignt. Ihr Debütalbum ist trotzdem auf Platz 33 in den UK Alben-Charts eingestiegen und überzeugt nicht nur durch ausverkaufte Vinyls, sondern auch durch einen individuellen Sound. Midnight is einer dieser Songs, die den popbeinflussten Rocksound der Band perfekt auszeigt. Ihre Liebe zu kreativen Visuals gibt es im Video auch zu sehen, für die ganze Story sollte man sich allerdings erst „Dig“ anschauen. Einen Konzertrückblick zu Black Honeys erster Headline-Show in Deutschland könnt ihr hier lesen.

22/24

AlphaMob x Tightill – Schwedische Gardinen

Wie oben schon geschrieben, hat unter anderem Skinny Finsta ein sehr gutes Album vorgelegt. Das gleiche gilt auch für Produzent AlphaMob, der ebenfalls von der Stadt Memphis inspiriert ist. Nach „Swaffle Phonk“ 2017, ist in diesem Jahr der Nachfolger „Swaffle Phonk 2“ erschienen. Auf dem Tape sind einige starke Tracks drauf, der beste kommt zusammen mit Rapper Tightill und widmet sich der mütterlichen Sorge um Söhne, die vielleicht in den Knast müssen. Guter Song, stilvolles Video dazu.

23/24

Jack White – Over and Over and Over

Jack White hat mit „Boarding House Reach“ gezeigt, dass Gitarrenmusik auch 2018 noch innovativ sein kann. Mit vielen Experimenten, einer verrückten Auswahl an Song-Ideen und einer sehr guten Live-Band ist ein starker Sound entstanden, der sich deutlich von klassischen Albenentwürfen unterscheidet. Die ausführliche Review kann man hier nachlesen und dabei die Single „Over and Over and Over“ durchhören.

24/24

Nine Inch Nails – God Break Down The Door

Der Track vereint die besten Elemente, die das letzte Album von NIN zu bieten hat. Es kommen die Bläser vor, die Drums gehen ab, der Sequenzer feuert um sich, alles wird irgendwann in eine große Klangmasse gesteigert. Besser geht es nicht. Dazu ist die Länge mit guten vier Minuten ein passender Kompromiss zwischen strukturierter Single und professionellem Verzerren von diversen Instrumenten. Acid Techno trifft Industrial. Besinnliches Fest!

 

Comments are closed.