Domesticated Animals | BEASTMODE 2 von Future

Domesticated Animals | BEASTMODE 2 von Future

Warum Future mit Beastmode 2?

Die letzte Realeasewoche war wirklich viel zu schwach, um etwas aus Deutschland zu picken. Da ich kein AmiRap-Experte bin, kann ich zwar auch nicht die gesamte Future Diskographie auswendig, kenne aber wenigstens die Hits und vor allem Features mit anderen Rapstars. Außerdem gibt es diesen tollen Ticklish-Remix von „Jumpman“, den ich einige Zeit lang hoch und runter gehört habe.

Wie klingt der Sound von Beastmode 2?

Produziert ist das ganze Mixtape von Zaytoven, der auch schon im Vorgänger „Beastmode“ involviert war. Hört man sich Produktionen für andere Rapper an, wird schon die wichtige Rolle eines Pianos in seinen Kompositionen deutlich. Zaytoven hat in seiner Jugend Tasteninstrumente zu spielen gelernt und nutzt dieses Element ziemlich häufig. Die Beats für das Mixtape sind insgesamt sehr simpel gehalten und bringen vor allem für die Drums wenig Aufregendes. Die Kick ist immer mit deutlichem Bass ausgestattet, der allerdings auch nur als kurzer Sound genutzt wird und nie weiterrollt. Auch Snare und Hi-Hat sind eher zurückhaltend und klappern lockerleicht herum. Damit wird rhythmisch viel Raum für den Flow von Future gelassen.

Das Piano hält den Klang zusammen und bringt Melodie in den Hintergrund. Dabei zeigt Zaytoven sein Können, schiebt Breaks ein, nach denen das Piano mehr Raum bekommt, und gibt dem Mixtape damit einen durchaus natürlichen Klang. Der ist für Trap nicht gerade typisch, aber interessant anders. Viele Einsätze klingen sehr verträumt und tänzerisch und matchen die mit Autotune säuselnde Stimme sehr treffend. Der Beginn von „RED LIGHT“ zeigt das zimelich gut. Hier wird zu Anfang kein Beat genutzt, Piano und Autotune beginnen aufeinander aufzubauen und man könnte sich auch einen kompletten Track vorstellen, der ohne Drumset auskommt.

Den gibt es allerdings nicht und es ist schade, dass auch sonst eher wenig experimentiert wird. Natürlich variiert Zaytoven auch die Parts des Pianos gekonnt, arbeitet mal mehr mit vollen Akkorden, bleibt manchmal verspielt und lässt auch einmal eine richtige Bassspur zum Einsatz kommen. Insgesamt klingen allerdings viele Songs musikalisch sehr ähnlich, ohne dass Zaytoven etwas überraschendes schafft. Und so bekommt man das Gefühl ein komplettes Mixtape mit ein und derselben musikalischen Idee zu hören, was spätestens nach dem vierten Track langweilig wird.

Was kann der Text?

Im eröffnenden Track „WIFI LIT“ zelebriert Future seinen Status als einer der größten Rappern, die zurzeit aktiv sind. Dabei werden Marken gedroppt, mit Geld angegeben und Verachtung für eine Frau, die nicht mit ihm schlafen will, obwohl er ja berühmt ist, gibt es auch noch. Das hört sich nach einem Standardprogramm an lyrischer Gewandtheit an und wird in den folgenden Songs auch nur punktuell besser. Denn die Besitztümer, der Reichtum und generell alle Arten von Vorzügen eine Rapstars nehmen eine große Rolle auf Beastmode 2 ein. Dabei verkommt ein Teil der Lyrics zu absoluter Bedeutungslosigkeit, dieselben Inhalte werden viel zu oft mit anderen Worten wiederholt.

Dazwischen finden sich immer wieder nachdenkliche Parts, in denen Future seinen Erfolg und die Auswirkungen seiner Musik reflektiert. „RACKS BLUE“ zeigt zwar exemplarisch wieder den großen Reichtum, stellt aber auch die Frage, was mit den großen Scheinen überhaupt angefangen werden soll. Dabei nimmt Future Bezug zu seiner Vergangenheit vor der steilen Rapkarriere, in der er diese Mittel nicht hatte und ein insgesamt anstrengendere Leben geführt hat. Dieses klassische Element des nach oben Arbeitens tritt einige Male auf dem Album auf, wird aber auch nicht tiefgehender bearbeitet, sondern bleibt meist oberflächlich erwähnt.

Etwas detaillierter wird es in „31 DAYS“, wo Future seine Beziehung mit einer Frau aufarbeitet und an expliziten Beschreibungen nichts auslässt. Hier wird zumindest nicht nur in ein ppar Phrasen auf ein Thema eingegangen, sondern sich Zeit genommen, um einen Bereich zu behandeln, was dem Mixtape gut tut. „DOH DOH“ überzeugt weniger mit Text, dafür mit eingängiger Melodie und einem starken Flow, der ausreichend ist, um ihn vom Rest abzuheben. So schaffen die meisten Songs trotzdem noch ein eigenes Element für sich zu nutzen, um ein Stück weit individuell zu bleiben.

Zum Ende des Mixtapes wird die Stimmung noch einmal melancholisch und nachdenklicher, wie es schon in „RED LIGHT“ angefangen wurde, wo Future rappt:

Money got me hesitant, what I got to live for?
All this fame gettin‘ terrible

 

I was once broke but no complainin‘
I finally start to embrace that I’m famous
It’s hard for me to erase when I was nameless

Das eigene Brühmtwerden wird im finalen Track „HATE THE REAL ME“ behandelt, wo düstere Gedanken über die Strukturen des Musikbusiness sich mit Futures Drogenkonsum mischen und einen ernsten Ton schaffen, der davor selten zu finden war.

Altogether

Einem Mixtape kann man immer ein gewisses Maß an Freizügigkeit und auch Zusammenhangslosigkeit zugestehen, ohne dass das Kritik bedeuten muss. Future liefert mit BM2 allerdings wenig Abwechslung und schafft gleichzeitig auch nicht die zusammenhängenden Momente, die ein gutes Album ausmachen. Wer ein Tape mit Hits und einen Rapper im Beastmode erwartet hat, der wird hier nicht fündig werden. Stattdessen versucht sich Future in in der Beschreibung des Struggles mit dem eigenen Aufstieg und dem ganz großen Erfolg, während er gleichzeitig mit seinem Status angibt und sich dafür zelebriert. Beide Seiten dieser Medaille werden sehr häufig nur in Phrasen behandelt, wirklich tiefgehend wird es selten. Zaytoven hat in einem Interview erzählt, dass für BM2 um die 100 Songs aufgenommen wurden, was vielleicht eine Erklärung für die flüchtigen Inhalte ist.

Auch Zaytovens Part wirkt nicht frisch, sondern viel zu wiederholend, um dem Mixtape noch eine besondere musikalische Note mitzugeben. Daran können auch die durchaus geschmackvollen Parts seines Pianos nichts ändern. Und so bleibt BM2 trotz der kurzen Laufzeit erschreckend eintönig.

Der besondere Song

Ist „HATE THE REal ME“. Einer des Ausnahmen auf dem Album, wo es textlich tiefgängiger wird als auf dem Rest des Mixtapes. Future stellt sich selbst als „a product of the streets“ dar, das jetzt in viel höheren Sphären ist. Sein dauerhaft wiederholtes „I’m tryna get high as I can“ wirkt weniger zelebrierend und mehr wie ein Versuch der Bewältigung seiner Lebensumwelt. Dazu versucht sich Zaytoven in einem etwas kolossaleren Beat mit Bläsern im Hintergrund, der einen guten Abschluss des Mixtapes setzt.

Was sollte man machen, während man Beastmode 2 hört?

Die Wohnung saugen.

Note

Naja. 5/10

 

 

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