Das Leben zu bewältigen | Swimming von Mac Miller

Das Leben zu bewältigen | Swimming von Mac Miller

Warum Mac Miller mit Swimming?

Eigentlich war die  Freude auf Astroworld von Travis Scott diese Woche ziemlich groß. Das hat sich auch nicht geändert, das Album ist tatsächlich stark geworden. Mac Millers Release schien da irgendwie unwichtiger, das hat sich aber nach kurzem Reinhören geändert. Außerdem gibt es hier im Blog generell eher wenig Softkontent, daher mal ein Schritt in diese Richtung.

Wie klingt der Sound von Swimming?

Auch wenn hier ein softes Album angeteasert wurde, ist Mac Miller natürlich nicht auf irgendeinem Oldschool-Sound hängengeblieben, sondern packt genügend moderne Elemente auf das Album. So geht es nach dem Opener „Come Back To Earth“ auch gleich trappy weiter und Mac Miller präsentiert „Hurt Feelings“. Der Beat bringt mit Drums und Bass schon recht klassische Trap-Elemente und setzt eine instrumentale Ebene drauf, die sich hier durch eine lockere Gitarre äußert. Auch Self-Care geht in eine moderne Richtung, wurde auch als Single veröffentlicht und setzt eher auf Synthies. Dadurch wirkt der Song eine wenig getragen, wird durch den Beatwechsel in der Mitte aber wieder belebt und damit auch in seiner Länge von über 5 Minuten richtig angenehm zu hören.

Das Album hat allerdings viel mehr zu bieten als die soft-trappigen Tunes, die sicherlich in jede beliebige Spotify-Playlist fitten. Das Intro ist bereits sehr instrumental gestaltet, führt ohne Drums langsam ins Album ein und zeigt, welche musikalischen Stärken auf Mac Millers Album zu erwarten sind. In der Mitte des Tracks setzten Streicher ein, die dem ganzen eine leicht melancholische Stimmung aufdrücken, die sich auch in vielen anderen Teilen des Albums zeigt. Der Bogen wird übrigens bis zum Ende gespannt, wo in „So It Goes“ ebenfalls mit Streichern geschlossen wird. „Wings“ kommt mit düsteren Synths daher, die von einem kaum existenten Beat begleitet werden, „Dunno“ bietet einen dunklen Grundton, auf den spielerische Einzeltöne gepackt werden und den Song ein wenig auflockern. Auch hier kommen für den perfekt traurig-melancholischen Klang wieder langsame Streicher ans Ende des Songs.

Diese instrumentale Prägung nutzt das Album natürlich auch für Stücke, die mehr Energie bringen. „What’s The Use“ bringt eine eine funky Bassline, leichte nach 80’s klingenden Synths und einen lockeren Clap. Auch „Ladders“ klingt nach Funk, guter Laune und ist wie viele andere Tracks ideal geschaffen, um ihm einen eigenen Flow aufzudrücken. Denn die Loops laufen auf Swimming sehr lange in einer fast unveränderten Form und stellen den Rap damit zwangsläufig in der Vodergrund. Trotz dessen überzeugen die instrumentalen Arrangements, die oftmals als ruhiger R’n’B dahingleiten.

Der Tiny Desk Auftritt zeigt das alles ganz gut und wie geil ist bitte der Bass in „What’s The Use“?

Was kann der Text?

Normalerweise bin ich nicht so informiert, was das Privatleben der ganzen Musiker und Musikerinnen angeht, die hier besprochen werden. Für dieses Album ist es dann allerdings doch wichtig, dass Mac Miller mit Ariana Grande zusammen war, die auch als Feature auf dem letzten Album vertreten war. Ich nehme mal an, dass diese Beziehung für viel Stoff bei der Klatschpresse in den Staaten gesorgt hat, für Mac Miller war die Trennung sicherlich eines der aufwühlendsten Themen in der letzten Zeit. Daher spielen die Trennung und seine Sicht auf die vergangene Zeit ein doch ziemlich große Rolle in den Texten seiner Songs.

Dabei ist auch eine Menge Selbstreflexion enthalten, die Mac Miller direkt in seinen Songs unterbringt. In „Perfecto“ betont er, dass er eben trotz des Daseins als Rapstar nicht perfekt ist, mit Problemen zu kämpfen hat und diese auch in der vergangenen Beziehung zu Tage getreten sind. Auch der Track „Self Care“ beschäftigt sich mit der Trennung und sieht die Self Care auch als Lösung dafür, dass Menschen Zeit mit ihm verbringen wollen. Die Ehrlichkeit und auch die Erwachsenheit der Lyrics kann man Mac Miller auf jeden Fall nicht absprechen.

Well, didn’t know what I was missing, now I see a lil‘ different
I was, thinking too much, got stuck in oblivion

I got all the time in the world, so for now I’m just chilling
Plus I know it’s a, it’s a beautiful feeling, in oblivion.

Trotz der gewissen Melancholie, die neben der größtenteils fröhlichen Musik vorherrscht, sieht Mac Miller die Veränderungen in seinem Leben nicht nur als etwas Negatives an. „Hurt Feelings“ macht deutlich, dass er Weiterentwicklung im Leben und eben auch in Beziehungen als wichtigen Teil seiner Person ansieht und nur Unverständnis für alle ewig Stagnierenden hat. Dabei ist klar, dass er wahrscheinlich nicht alle seine schlechten Eigenschaften ablegen kann, selbst wenn er jetzt reflektiert, was er falsch macht.

Grund dafür ist auf jeden Fall auch der Drogenkonsum, der Mac Miller in Vergangenheit, Gegenwart und höchstwahrscheinlich auch der Zukunft immer wieder beeinflusst. Dass er größere Probleme mit Alkohol hatte, ist bekannt und wird in „What’s The Use?“ thematisiert. Hier stellt Mac Miller auch fest, dass er ohne den Stoff eigentlich viel besser auskommt, besser schreibt und einfach klarer denkt. Dass das nicht die ganze Zeit funktioniert, ist auch klar und wird auf „Jet Fuel“ bestätigt, wo sich Mac Miller in die Wolken schießt.

I was out of town, getting lost ‚till I was rescued
Now I’m in the clouds, come down when I run out of jet fuel
But I never run out of jet fuel

Altogether?

Mac Millers „Swimming“ ist eine große Selbstfindungstour, auf der er die Vergangenheit aufarbeitet, verschiedene Probleme seiner Beziehung reflektiert und seinen Status als Rapstar in Relation zu seinem privaten Leben setzt. Das macht er auf eine erwachsene Art, immer wieder mit cleveren Flows, Melodien und kleinen Spielereien, die sich perfekt zur soften musikalischen Begleitung ausrichten und das Album damit in einem Fluss durchörbar machen. Die Musik ist sehr instrumental gehalten, was sich zumindest von den meisten erfolgreichen Rapalben der letzten Zeit positiv abhebt. Swimming ist besonders dann richtig gut, wenn einzelne Instrumente Soloparts und Spielraum bekommen. Sonst laufen die Loops ein wenig zu lange in ihrer Gleichtönigkeit dahin und der Fokus liegt fast nur noch auf dem Text.

Der besondere Song?

Ist „Hurt Feelings“. Der Track mischt den instrumentalen Stil des Albums perfekt mit trappy Vibes und bietet damit einen wunderschönen Loop. Textlich sollte sich eigentlich jede*r in irgendeiner Lebensphase angesprochen fühlen können, weil sich Mac Miller mit der unausweichlichen Veränderung und Weiterentwicklung im Leben beschäftigt. Irgendwann trifft sie jeden und sein Rat, die Veränderungen zuzulassen, ist wahrscheinlich ein weiser.

Was sollte man machen, während man Swimmung hört?

Wegen zerbrochener Beziehung Frustsaufen und zum Einschlafen mit der Katze kuscheln.

Note

Ja, das Album ist supersoft. Aber auch dann, wenn man gerade härteres Zeug hören will, überzeugt es immer wieder und letztendlich hört man es sich doch durch. 8/10

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