Post Brexit Depression | Acts Of Fear And Love von Slaves

Post Brexit Depression | Acts Of Fear And Love von Slaves

 Warum Slaves mit Acts Of Fear And Love?

Punk ist ziemlich tot und Slaves bringen ihn ganz sicher nicht zurück. Mit dieser Rolle haben sie allerdings zwei mehr als akzeptable Studioalben rausgehauen, spielen weiterhin nur mit zwei Instrumenten und sind eben so unbequem, dass man zur Musik noch Post-Punk sagen darf. Das ist doch ein Anfang.

Wie klingt der Sound von Acts Of Fear And Love?

Das Album beginnt mit einem großen Knall, gefolgt von einem klassischen Rockmuster, bei dem sich Akkorde und Solo-Filler abwechseln. Ein Einstieg, wie man ihn erwartet und auch der generelle Klang der beiden Musiker hat sich nicht groß verändert. Die Rhythmen ist einfach strukturiert, die Songs stampfen unaufhaltsam vorwärts und bieten dabei ein gut abgemischtes Bass-Gitarren-Verhältnis im Ton. „The Lives They Wish They Had“ bietet sogar noch einen Tempowechsel hin zum schnellen und wilden Gekloppe und lässt keine Fragen nach einer Veränderung des bekannten Sounds offen. Ein paar experimenteller Ausflüge bietet das Album trotzdem. Die Vorab-Single „Cut And Run“ hat bereits probiert einen lockeren Vibe in den Gitarrensound zu bringen und das vor allem durch Zurückhaltung der Gitarre erreicht. Nachdem in einigen Teilen des Tracks nur der Rhythmus der Drums übrig bleibt, greift auch das Konzept zu diesem Rhythmus zu tanzen ziemlich gut. Die Schwäche einer solchen Idee liegt im Gegenzug darin, dass „Cut And Run“ fast nur aus einem Refrain besteht, zwischen den eine einzige Bridge gebaut wurde.

Der etwas gelockerte Stil zeigt sich auch in „Magnolia“, das einfach mal die gute alte Cowbell nutzt. Das ist immer dancy, da kann man drumherum spielen, was man will. Slaves schaffen es ziemlich stringent verschiedene Stimmungen in den insgesamt neun Songs zu erzeugen. Bugs bekommt einen düsteren, aggressiven Klang, mit starkem Gitarrenriff. „Chokehold“ liefert einen sauberen und, besonders in den Toms, extrem satten Klang und dazu hohe Gitarren, „Photo Opportunity“ legt ausnahmsweise mal zwei Gitarrenspuren übereinander und wirkt dadurch mächtiger, als der Rest des Albums.

Am meisten fällt jedoch der Titel „Daddy“ auf, der zwar keine zwei Minuten andauert, dafür allerdings nur mit einer schräg angezerrten Gitarre begleitet wird und ruhig bleibt. Ein ähnlicher Anfang wurde auch für den Anfang von „Photo Opporntunity“ genutzt und die vergangenen Alben haben zumindest ab und zu schon eine akustische Songvariante eingebaut. Scheint so, als ob Slaves ihren kraftvollen Stil nicht auf allen neun Tracks vertreten haben wollten. Aktuelle Aufnahmen aus der BBC LiveLounge belegen das übrigens auch. Dass gerade bei Chokehold auf die prägenden Drums verzichtet wurde, ist allerding schon erstaunlich und macht den Song etwas leer. Die Backgroundstimme von Laurie ist trotzdem wunderschön.

Was kann der Text?

Die ersten Worte des Albums sind passgenau auf diesen Blog zugeschnitten: „Oi! What are you doing? Nobody, I repeat, nobody gives a shit.“ Ihre Punk-Attitüde, inklusive des angepisst-sein vom kompletten Weltgeschehen, leiten Slaves hier direkt ein und wenden sich nicht von den Problemen der eigenen Generation ab. Die Sucht nach Social Media, die Omnipräsenz der verschiedenen Apps und die dabei eingeschlossene Selbstinszenierung, insbesondere auf Insta, nervt die beiden ziemlich. Wahrscheinlich wissen die beiden auch, dass es nichts Gutes bedeuten kann, wenn sich junge Menschen über ihre perfekt in Szene gesetzten und ins Internet gestellten Leben definieren. „Cut and Run“ bleibt zwar, wie das Instrumental, eher leicht gehalten, thematisiert aber nebenbei noch das Flüchten aus einer komplizierten Situation. Und das spielt im späteren Verlauf des Albums noch eine Rolle.

Der folgende Track „Bugs“ wird dann deutlich und adressiert die politische Ebene der UK. Was da in den letzten Jahren los war, braucht man nicht groß zu erklären, der Blick auf das letzte Studioalbum „Take Control“ lohnt sich allerdings. Das kam Ende September 2016 heraus, die entscheidende Brexit-Abstimmung fand Ende Juni statt. Viel Zeit diese Ereignisse schon im letzten Album zu verarbeiten war also nicht, ganz abgesehen von den schwammigen Entscheidungen, die seit dieser Zeit gefällt wurden. Trotz der komplexen Thematik machen es sich Slaves allerdings einfach, wenn es darum geht, wer die Schuld an allem trägt. Denn in ihrer Version geben die Alten falsche Informationen, die die Jungen einfach schlucken müssen.

Another let-down generation
Fed inaccurate information

An den schlechten britischen Eigenschaften hängen sich die beiden auch im Song „Magnolia“ auf, der die typischen cremefarbenen Wände in neu eingerichteten Häusern und Wohnungen als Zeichen der perfekten Spießigkeit aufgreift. Das Album bietet, wie so oft bei Slaves, einen Mix aus gesellschaftlich angestreiften Themen und persönlichen Belangen, die in Songs umgesetzt werden. Zu diesen persönlichen Inhalten zählt zum Beispiel „Daddy“, der sich Skit-artig mit der Midlife-Crisis des eigenen Vaters auseinandersetzt, oder auch „Photo Opportunity“, das auf die Leiden, die mit dem Star-Sein einhergehen, zielt.

Und dann steht da noch der Titelsong „Acts Of Fear And Love“ am Ende des Albums, der private und gesellschaftliche Elemente verbindet. Mit Sätzen im Erzählstil stellt Isaac die Theorie einer ehemaligen Lehrerin vor, die behauptet, es gäbe keinen Hass, nur Acts of Fear and Acts of Love. Die Baxter Durysierung von Slaves, gefolgt vom typischen Screaming im Refrain. Inhaltlich versuchen sich die beiden an einem etwas gewichtigerem Song, der ihnen auch durchaus gelingt. Kein Meisterstück, das zu stundenlangen Diskussionen ermutigt, aber doch ein starker Abschluss für das Album.

Altogether

Schaut man sich die fehlende musikalische Vielfalt an, die Slaves auf ihrem Album mal wieder präsentieren, sollte man meinen, dass ein ziemlich eintöniges Werk entstanden ist. Laurie und Isaac wissen es aber besser, lassen die Laufzeit des Albums kurz und packen so viele Variationen hinein, dass es gerade so reicht, um nicht gelangweilt zu werden. Und das machen sie gut, denn abgesehen von ein paar extra Basspuren und dem Backgroundgesang gibt es nichts, was den Sound fülliger macht.

Slaves schaffen es, die Quote an harmlos-spaßigen Songs niedrig zu halten und driften in den politischen Inhalten trotzdem nicht in den Bereich des Peinlichen. Dazu variieren sie ihre Instrumentals sehr stimmungsgeladen und geben die vielseitigen Eindrücke ihrer letzten zwei Jahre wider. Dazu gehören Songs über Love und auf AOFAL auch ein wenig Pop, was aber eher nach mehrmaligem Hören, als auf die Schnelle schadet.

Der besondere Song?

Ist „Magnolia“. Der Track mischt das bekannt Alberne, die UK an sich und die große Abgestoßenheit der beiden Musiker von etlichen Facetten dieses Inselstaats. Außerdem Cowbell!

I’m gon‘ paint my walls (It’s gotta be, gotta be)
Magnolia (It’s gotta be, gotta be perfect)

Was sollte man machen, während man Acts Of Fear And Love hört?

An diesem Magnolia-Klostein riechen bis man high wird.

Note

Strong 7/10

Comments are closed.