Recap 03/2019

Recap 03/2019

Titelbild: Screenshot aus dem YouTube-Video „EBOW – BUTTERFLIES (prod. by Walter p99 Arke$tra) [official video]“ von ‚Seayou Records‘

Action pur im März. Recap 03/2019 bringt eine Menge neuer Alben und vor allem viele Konzertbesuche. Fremdsprachige Releases zuerst.

Alben

C.S. Armstrong – Truth To Be Told

Direkt am Anfang des Monats hat C.S. Armstrong ein wunderschön melancholisch klingendes Album veröffentlicht. Auf „Truth To Be Told“ bin ich allerdings nur gestoßen, weil sich Armstrong viele deutsche Künstler herangeholt hat, die ihm bei seinem Album geholfen haben. Am wichtigsten ist dabei ohne Zweifel Torky Tork, der die Beats des Albums produziert hat und dabei, einmal mehr, seine krass vielseitigen Fähigkeiten unter Beweis stellt. Das Album klingt zwar nicht aufmunternd, aber trotzdem deutlich weniger verkopft als andere Projekte von Torky. Das liegt sicherlich auch an Armstrong, der sich auch neben HipHop auch in melodischeren Genres wie Blues oder Rock wiederfindet. Daran hat sich Torky eindeutig orientiert, was die Einzigartigkeit seiner Produktionen aber überhaupt nicht beeinflusst. Ein sehr rundes Musikalbum, das viele visuelle Atmosphären vermittelt, wie sie auch im Video zu Swang zu sehen sind.

Favorite Track: Rain In The Ghetto

Little Simz – GREY Area

Auch Durchstarterin Little Simz fühlt sich bekanntermaßen nicht nur in einem Genre wohl, sondern mischt klassischen HipHop mit Grime, R’n’B und Soul. Das hat bereits in der Vergangenheit gut geklappt und funktioniert auch auf ihrem aktuellen Album „GREY Area“ richtig gut. Die wohl größte Stärke der LP liegt in der Variabilität, die Little Simz an den Tag legt. Energiegeladene Instrumentals mit empowernden Texten wechseln sich mit deutlich nachdenklicheren Stücken ab, die auch vor den großen politischen Themen nicht Halt machen. Klar ist da der Brexit dabei, gefühlt können es sich junge Künstler*innen aus dem UK aktuell kaum leisten, dieses Thema zu umgehen. Und eine junge Rapperin, die eine so große Reichweite hat, kann der jungen Generation dabei mit Sicherheit nicht schaden.

Favorite Track: Therapy

Musa – Berliner Negritude

Der Rapper Musa sollte den meisten Leuten als Teil von BSMG (Black Superman Group) bekannt sein, wo er zusammen mit Rapper Megaloh und Produzent Ghanaian Stallion am Werk ist. Zusammen setzen sie sich gegen Rassismus ein und repräsentieren ihre afrikanischen Wurzeln in der deutschen Raplandschaft. Mit „Berliner Negritude“ hat Musa jetzt sein erstes Soloprojekt veröffentlicht und es ist ein sehr stabiles Solo-Debütalbum geworden. Ohne Frage orientiert sich Musa thematisch an ähnlichen Feldern, die auch auf dem BSMG-Album „Platz an der Sonne“ zu finden sind. Das stört aber nicht weiter und kann hier im Soloprojekt auch facettenreich umgesetzt werden. So verbindet Musa in den Songs nicht nur die beiden Orte Sierra Leone und Berlin, sondern spricht auch kapitalismuskritische Themen an, wie beispielsweise in seinem Intro. Zwischendurch folgen auch lockere Nummern, die eher Hit denn Gesellschaftskritik sind, das Album aber auch auflockern und mit einem positiven Flow versehen. Ghanaian Stallion darf sich natürlich auch hier als Produzent austoben, Megaloh ist mit einem Feature-Part auf „Kein Trost“ vertreten. Musa verschafft sich mit diesem Album auch als Solokünstler eine wichtige Rolle als Rapper, der rassistisches Denken und Handeln in Deutschland klar thematisiert und dabei beeindruckend seine eigene Perspektive einbindet. Klar hätte man diese Richtung auf dem Album noch stringenter verfolgen können, trotzdem bleibt „Berliner Negritude“ ein richtig gutes Album.

Favorite Track: Alles was ich hab feat. Amewu

Tua – Tua

Das Tua-Album wollte ich einfach nicht außen vorlassen, immerhin ist der Dude auf dem Cover der aktuellen Juice gelandet, dann muss ja was dran sein an dem Ding. Die Euphorie für die LP war, meiner Wahrnehmung nach, echt groß und ziemlich oft wurde auf Tuas Album „Grau“ verwiesen. Ein underrated Classic, zumindest lautet so die Meinung von vielen Leuten, von denen ich Sachen zum aktuellen Album gelesen hab. Vielleicht geht mir Tua auch deswegen als Künstler nicht so nah, weil ich zu „Grau“ keinen wirklichen Bezug habe, dafür ist das Releasejahr 2009 einfach etwas zu früh, vielleicht liegt es auch am Label Chimperator, mit dem ich nie so richtig warm geworden bin. Als Tua aber im Zuge der Promo den Track „Vater“ veröffentlicht hat, musste ich dem Album zumindest eine Chance geben. Zu gut war der Song, den ich wirklich nachfühlen konnte, und klar gemacht hat, dass das Album relativ ernsthaft wird. Warum sonst sollte man als Vorgeschmack einen derart düsteren Titel veröffentlichen? Mittlerweile ist das Album draußen und es konnte leider nicht mit dem Level mithalten, das „Vater“ vorgelegt hat. Es ist nicht so, dass ich mir wirklich ein Album wünsche, dass durchgängig so schwierige Themen behandelt, aber die poppige Herangehensweise an viele der anderen Songs war dann doch enttäuschend. Daher würde ich einfach der Meinung von laut.de folgen, wo gefordert wird, dass sich deutsche Popmusik ab jetzt an diesem Album-Standard messen lassen muss. Ein gute Idee, die mir ermöglicht, das Album nicht zu verreißen. Denn warum Poppigkeit in einem Pop-Album kritisieren? Auf der anderen Seite kann ich dadurch sogar noch Lob für das Album finden, denn Tuas Zeilen sind ohne Frage viel aufrichtiger als alles, was ich in anderen Popsongs zB im Radio hören würde.

Ebow – K4L

Das absolute Highlight des Monats März und auch des bisherigen Deutschrapjahres stellt Ebows Album „K4L“ dar. Das Album ist unheimlich politisch, wie man es von Ebow bereits gewohnt ist, und transportiert diese geladene Stimmung auch in den fantastischen Beats von Producer „walter p99 arke$tra“. Klare Statements, die die migrantische Sicht von Ebow mehr als deutlich auf den Punkt bringen, sind insbesondere der Titeltrack „K4L“, „Slang“ und „Amk“. Besonders der letzte Track ist unglaublich gut gestaltet. Eine düster dahingleitende Bassline eröffnet den Track, die Snare scheppert drauf und Ebow kommt mit folgender Line rein: „Zu viele weiße, reiche Jungs im Rap, als wärs ein fucking Golfclubtreff“. Im Folgenden erklärt Ebow, warum sie trotz unterschiedlicher politischer Ansichten mit Fußballspieler Mesut Özil immer noch im selben Boot sitzt. Sorry, im selben Benz natürlich. Außerdem, warum weiße Insta-Kids sich nicht für einen migrantischen Lifestyle feiern lassen sollten Und dass sich alle Major Labels ficken können. Wow. Das alles in nur einem Titel, der dazu mit so viel Style und Smoothness vorgetragen ist. Ich lass diese Beschreibung hier einfach exemplarisch für das ganze Album stehen, das mit all diesen Facetten immer wieder spielt und dabei den Fokus auf jedem Track immer ein wenig anders setzt. Deshalb kommen auch Drogen und das große Thema Liebe nicht zu kurz und werden in eigenen Tracks ausgiebig besprochen. An diesem Album stimmt wirklich Alles, inklusive Skits, von denen das beste von Autorin Hengameh Yaghoobifarah stammt. Inhaltlich ist es einleitend für „Amk“ und eine absolut deutliche Ansage „an alle Almans und Cisheten, die sich migrantische, nicht-weiße und queere Ästhetiken aneignen.“ Kauft das Buch „Eure Heimat ist unser Albtraum“, welches von ihr und Fatma Aydemir herausgegeben wurde. Kauft euch Ebows Platte.

Favorite Track: Amk. Und ganz ehrlich, dieses Album ist das erste auf diesem Blog, das eine 10/10 bekommt. Es gibt keinen Grund, der dagegen spricht.10

Konzerte

In den letzten Wochen gab es einfach sehr viele davon. Daher hier kurze Eischätzungen im folgenden Format: Konzertreviews in einem Satz.

Döll im Bahnhof Pauli

Ich sterbe für HipHop, mein Herz für dich HipHop (lalala lalala).

Erotik Toy Records im Uebel & Gefährlich

Es wurde „Angels“ von Robbie Williams gespielt – Movement!

The Screenshots in der Kantine am Berghain

Wurde schon ausführlich aufgeschrieben –> https://dedustblog.de/konzerte/odonkor-laeaeaeaeuft-the-screenshots-live-in-der-kantine-am-berghain/

Exemplarsatz: Die besten Gigs sind immer noch die, bei denen das Flixbusticket in die Stadt mehr kostet als der Eintritt zum Konzert.

Yassin im Molotow

„Doch was nützen die schönsten Metaphern, wenns die Dümmsten nicht raffen, es wird dunkel im Abendland.“

Die letzte Empfehlung

Ziemlich viel Inhalt. Zum Abschluss empfehle ich die Serie „Deep Fried“ des Hamburger Produzent*innen-Kollektivs „Deep Fried“. Die Instrumental-Tracks finden sich auf dem YouTube-Kanal von Kabul Fire Records. Dicke Bretter.

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