Recap 06/2018

Recap 06/2018

Ganz ehrlich, ihr habt im Juni doch eh nur WM geguckt. Da hatte niemand Zeit, die neue Musik aus diesem Monat auf dem Schirm zu haben. Zumindest stell ich mir das so vor. Die gute Nachricht ist, das Deutschland schon raus ist und ein großer Teil der Leute jetzt wohl keine Spiele mehr schaut, damit also mehr Zeit für Musik hat. Im Idealfall. Aber zur Weltmeisterschaft kommen wir am Ende eh nochmal, daher zuerst…

Neue LPs und EPs

Eh Olo von Sonne Ra

Ein sehr gutes Album, von dem ich leider keine Review geschafft habe, hat OFDMer Sonne Ra vorgelegt. Auf Eh Olo finden sich gleich mal acht verschiedene Produzenten für acht Tracks ein, darunter bspw. Torky Tork, Suff Daddy oder Dexter. Dementsprechend stark klingt auch das gesamte Album, das neben dem entspannten Lifestyle des Mulas auch politische Statements in den Vordergrund rückt. Bestes Beispiel und gleichzeitig auch bester Track des Album ist „Terrorist“ featuring Audio88 & Yassin geworden.

How To Delete Yourself von BLVTH X TAIIME

Von BLVTH war ich schon auf dem Ahzumjot-Konzert sehr überzeugt, nachdem er dort als Support aufgetreten war. Im Juni kam in Zusammenarbeit mit TAIIME nun die EP „How To Delete Yourself“ heraus, die abermals den frischen elektronisch verzerrten Sound von BLVTH zeigt. Ganz viel Energie und ausgelebter Gesang finden sich auf den fünf Tracks der EP. Mein Favorit ist „FOLLOW LINK FOR DOWNLOAD“, der zwar simpel gemacht ist, aber durchschlagend und gleichzeitig tanzbar daherkommt. Der Tag #FutureGrunge auf Soundcloud passt auf jeden Fall.

Schlecht Im Bett Gut Im Rap von Klitclique

Feministischer Trap aus Österreich. Das ist die Kurzfassung der Klitclique, die aus G-Udit und $CHWANGER besteht. Die beiden Rapperinnen machen irgendwas zwischen Kunst und Musik und streben das goldene Matriarchat an. An iher Seite kämpft unter anderem Stefanie Sargnagel, die dieses Ziel ja auch mit der Burschenschaft Hysteria erreichen will. Passenderweise widmet sich der Track „50 000“ dann auch gleich der Autorin, die den Ingeborg-Bachmann-Preis gewinnen soll, damit es endlich mal kein Mann wird. Auch wenn der Song schon älter ist, bleibt er einer der besten des Albums, das man übrigens hier herunterladen kann. Das Album ist eine dadaistische Antwort auf männlich geprägten Rap aller Arten und spart trotzdem nicht mit ernsthafter Kritik. Verstörend und sehr gut. Favourite: Alles wird gut

1.11 von Joey Bargeld

Endlich! Nach endlosen Ankündigungen ist nun tatsächlich die dritte EP von Joey Bargeld und KitschKrieg mit dem Titel 1.11 rausgekommen. Zur großen Enttäuschung der Twittergemeinde ist der Rocksong, der so oft schon live gespielt wurde, nicht mit drauf. Dafür kündigt Bargeld direkt mal ein Album an und mit ganz viel Glück kommt das auch noch in diesem Jahrzehnt. Sehr geil!

Allerdings ist die EP natürlich trotzdem sehr gut geworden und zeigt wieder Ausschnitte vom Party-Bargeld und seinem nachdenklichen, verdrogten Ich. Favourite: 500 auf Kommi.

Neue Songs

Calva Louise – Outragous

So langsam kommt in Großbritannien wieder Gitarrenmukke von jungen Leuten nach oben, die weniger nach Indie und Singer/Songwriter und dafür mehr nach Alternative klingt. Zu diesen jungen Bands zählt auch Calva Louise. Auf Spotify ist mit „Outragous“ zwar erst der dritte Song offiziell erschienen, dafür sind die aber auch alle sehr gut. Bei Auftritten gab es auch schon mehr Material zu hören und bin ziemlich gespannt, ob vllt nächstes Jahr ein Debütalbum kommt. Bis dahin einfach alle drei Tracks in Dauerschleife anmachen.

Black Honey – I Only Hurt the Ones I Love

Auch Black Honey zählen zu der Riege von frischen Bands aus dem UK. Im September kommt ihr Debütalbum heraus und ich hoffe, dass sich Calva Louise im Gegensatz dazu etwas sputen, denn Black Honey machen bereits seit 2015 Musik. Bei Black Honeys Musik kann man zwar auch Alternative drauflabeln, allerdings haben sie ziemlich viele Einflüsse, die in ihren Sound gelangen. Das führt zu sehr unterschiedlichen Klängen und viel Abwechslung. Dazu kommen noch die sehr szenischen Musikvideos, die sich rund um die kreativen Ideen von Sängerin Izzy drehen. Der neue Track hat in Sound und Video starke Westerneinflüsse und ist im Vergleich zu früheren Tracks etwas sauberer ausproduziert.

LGoony & Yung Isvvc – Flex Up

LGoony meldet sich mit neuem Track und dem neuen Label „LICHTGANG“ zurück. Zusammen mit Yung Isvvc steigt er in den Rover und macht die Stadt unsicher. Das Video ist ganz gut geworden, der Track vielleicht ein wenig klischeelastig und von zu vielen Luxusmarken geprägt, dafür ist die Hook ein echter Ohrwurm geworden. Man darf gespannt sein, welche Art von neuen Releases bei der Lichtgang erscheinen werden.

Tightill – Rudi Völler

Der Bremer Rapper Tightill hatte angekündigt, dass es nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM einen neuen Track geben würde. Den wollten sich die ganzen Spieler wahrscheinlich auch schnell reinziehen und haben halt Südkorea gewinnen lassen. Guter Move, wie ich finde. Im Song wird der Legende Rudi Völler, bekannt für Schnauzer und Vokuhila, in alten Werdertrikots gehuldigt und mit der Erotik Toy Records Clique im Weserstadion gefeiert. Produziert ist der Song von AsadJohn, der einen richtigen Sommersound kreiert hat. Starkes Ding, das man jetzt bis zum Ende des Turniers pumpen kann.

Kosmonaut Festival

Auf dem Kosmonaut war ich auch noch. Der geheime Headliner bestand dieses Mal aus einer ganzen Ansammlung von DeutschrapperInnen. Richtig überzeugt hat davon nur Haiyti, die anscheinend immer noch nicht im Berghain war. Als Highlight haben Marteria und Casper noch ein gemeinsames Album angekündigt, das zumindest überraschend kam. Tolle Shows gab es zB noch von BLVTH, Trettmann, Juicy Gay und Yung Hurn. Absolut bester Moment des Festivals: MC Bomber geht während der kompletten Hurn-Show im hinteren Bereich der Bühne ab. Ansonsten galt halt das Standardmotto:

Comments are closed.