Recap 08/2018

Recap 08/2018

Der August ist vorbei und hat gute Musik, aber auch traurige Nachrichten für die Leipziger Clublandschaft mit sich gebracht. Schlechte Nachrichten immer zuerst.

DHF schließt

Das große Sommer-Clubsterben in Leipzig setzt sich fort. Nachdem schon das So&So und der TV Club im Norden von der Schließung bedroht sind und aktuell nach Möglichkeiten zum Weiterbestehen suchen, macht jetzt auch noch die Alte Damenhandschuhfabrik zu. Hier liegt der Grund allerdings nicht bei Investoren, die das Gelände für kommerziellere Zwecke nutzen wollen, sondern in einer Auseinanderstzung zwischen Eigentümer und Betreiber der DHF. Beide Seite stellen die andere Partei als Schuldigen dar, wobei bauliche Mängel auf der einen, und Mietrückstände auf der anderen Seite ins Spiel gebracht werden. In der medialen Aufbereitung findet leider nur der Eigentümer der DHF Gehör, wobei man sich schon wundern muss, dass nicht einmal der Kreuzer mit dem jetzigen Betreiber gesprochen hat und sich ein eigenes Bild von den möglichen Baumängeln gemacht hat. Naja. Musikalisch ist das ohne Zweifel ein harter Schlag für Leipzig, denn das Line-Up der DHF wird man wohl nicht so einfach verlagern können. Viele Künstler*innen, die man im weitesten Sinne zum Rap-Untergrund zählen kann, werden wohl kaum in den anderen Locations der Stadt gebucht. Die Distillery, das IfZ, Täubchenthal und der Felsenkeller haben natürlich auch Kapazitäten, werden aber kaum die Bandbreite der DHF bewältigen können. Sehr schade, dass es diesen Club ab sofort nicht mehr gibt. Einen Konzertbericht aus der DHF könnt ihr übrigens hier nachlesen und für Erinnerungen eignet sich wohl das folgende Video am besten.

D.A.S.

Kommen wir zu besseren Nachrichten, denn es gab massig neue Musik im August. Ein Release, das besonders aufgefallen ist, auch wenn es nicht die riesige Aufmerksamkeit bekommen hat, ist „Deutsch-Amerikanische Schaft“ von Tightill und Doubtboy. Die beiden sind ein eingspieltes Duo, haben ja schon einiges zusammen rausgebracht und auch dem neuen Mixtape wieder ihren eigenen wavy Lifestyle-Sound aufgedrückt. Dahinflatternde Beats, gesungenen Hooks, 80’s Drums und größtenteils entspannte Lyrics machen die 14 Tracks inklusive Skits aus. Dazu gibts die Fortsetzung des Klassikers „Blüten Zählen“ von RnB Anarchie. Favourite Track ist trotzdem der härtere „Mittelfinger“ featuring Skinnyblackboy.

Album Art IQ

Red Bull Music hat auf dieser Website ein wirklich gutes Quiz zusammengebastelt, bei dem man seine Nerdigkeit in verschiedenen Musikgenres unter Beweis stellen kann. In den Kategorien „Deutschrap“, „Iconic Berlin“, „Gitarren“ und „Electronic Germany“ muss man so schnell wie möglich errraten, welches Cover zum vorgegebenen Album gehört. Je schneller man die verpixelten Artworks erkennt, desto länger hält man sich im Spiel und dieses simple Konzept macht tatsächlich süchtig. Ich hole bei Deutschrap zwar einige Punkte, an Quizmaster LGoony komm ich in der Bestenliste trotzdem nicht ran. Sehr geiles Format!

#wirsindmehr

In Chemnitz hat sich zum Ende August und in den ersten Tagen des Septembers ein Problem gezeigt, dass in Ostdeutschland nicht neu ist, aber in dieser Tragweite lange nicht mehr so deutlich geworden ist: Hier leben Nazis. Und die Menge an Menschen, die sich diesen offen Rechten anschließt und mit ihnen gemeinsam auftritt, ist bei den Versammlungen und Ausschreitungen der letzten Tage wieder erschreckend hoch. Wirklich wundern sollte sich da übrigens niemand, wahrscheinlich sind die Zahlen der Pegida-Demonstrationen schon wieder verdrängt worden, aber auch dort liefen in etlichen Städten viele tausend Menschen als rechte Gruppierung auf den Straßen der ostdeutschen Städte. In Chemnitz wurde der gewaltsame Tod eines Deutschen mit zwei ausländischen Tatverdächtigen dafür genutzt, Menschen mit nicht kartoffeldeutschem Aussehen durch die Straßen zu jagen. Ein großer Gegenprotest fand am Samstag den 1.9 statt und auch Montag der 3.9 sollte im Zeichen des Protests gegen Rechts stehen. Ein Soli-Konzert von Kraftklub, Trettmann und weiteren Künstlern sollte als Anlass dienen, um möglichst viele Menschen zu mobilisieren und das hat geklappt. Um die 65.000 Menschen versammelten sich in Chemnitz und alleine das ist stark. Dass davon die Probleme nicht verschwinden und ein großer Teil dieser Menschen weder in Chemnitz, noch in anderen Städten, konsequent antifaschistische Demonstrationen besucht, ist ein Fakt, hier aber nebensächlich. Es gibt sicherlich bessere Formen des Protests, als sich Lieder von den Toten Hosen anzuhören, aber manchmal dient es eben doch dem Zweck. Daher s/o an alle Künstler*innen beim Soli-Konzert und an die Live From Earth Gang, die das Atomino zerlegt hat.

Midnight

Gehen wir in die internationalen Veröffentlichungen und stoßen direkt auf die neue Single von Black Honey. Die heißt „Midnight“ und macht extrtem neugierig auf das kommende Album, das definitv den Pop zurück in die Rockmusik bringen will. Das wird wahrscheinlich strange, aber auch neuartig und insgesamt einfach Future. Hoff ich zumindest. Das Video setzt die Geschichte der Single „Dig“ fort und bringt sie zu einem blutigen Ende. Brutal, dancy, Midnight-Feeling.

Calva Louise live

Die sehr gute Newcomer-Band Calva Louise hat ein paar unveröffentlichte Tracks für einen Livestresam zum Besten gegeben. Der ist bei Facebook zu sehen und wird von den Pirate Studios gehostet. Da kann man sich einfach nen Raum mieten und dann Proben, Recorden usw. Calva Louise liefern 17 Minuten geladenen Energie, eine wirklich vollen Sound für die drei Instrumente und sehr viel Geschrei. Sehr gutes Liveset, dass in einer längeren Form hoffentlich auch mal in Deutschland zu sehen sein wird.

Kitty Kitty

Die Niederländer von De Staat haben einen neuen Track am Start. Das letzte Studioalbum ist mittlerweile auch schon seit einiger Zeit draußen und so langsam wird es Zeit für neues Material. Das ist mit „Kitty Kitty“ jetzt erschienen und liefert den typischen Sound von De Staat. Rollender Bass, einzelne Einsätze der weiteren Instrumente und zum Ende die große Vermischung zu einer großen elktronisch angehauchten Klangmasse Rockmusik. Solider Track, der schon wieder Lust auf neue Projekte der Band macht.

Das wars dann auch schon, next Reviews incoming sind Slaves und Haiyti!

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