Smoothe Agressivität | Style Wars von MCNZI

Smoothe Agressivität | Style Wars von MCNZI

Warum MCNZI mit Style Wars?

Neuen Stuff von Life From Earth sollte man immer mal abchecken. In der Regel findet sich dort Musik, wie man sie woanders nicht vorfindet, weil die Rapmukke dort oft von elektronischen Einflüssen geprägt und von jungen Leuten gemacht ist . Daher war Style Wars von MCNZI [MÆK NAZI] zumindest den Versuch wert. Was man davor noch schnell über den jungen Mann rausfindet, sind folgende Dinge: Der Kollege trinkt gern Sekt (halbtrocken, auf Eis), hat einen ziemlich produktiven Output (SC / BC), tritt für Berlin an und ist Macker & Gentleman.

Wie klingt der Sound von Style Wars?

Der größere Teil der Songs hat eine Art minimalistischen Trap-Sound. Oft fehlen die harten, übersteuerten Bässe, die im Hintergrund reindröhnen, dafür gibt es hier oft dumpfe Bassdrums, die diesen Part anschneiden. Dazu kommt meist ein flimmernder Space-Synthiesound im Hintergrund und die typischen aufgeregt-taktgebenden Hi-Hats. Als Snare fliegt einem meisten ein Clap um die Ohren. Je nach Track wird dem Textpart damit unterschiedlich viel Freiheit eingeräumt, bspw bei „Jawohl“, „Du weißt wie ich’s mach“, oder „Highsnob“. Ausnahmen von diesem Modell finden sich allerdings etliche. So kommt Dangerous Mind mit zwei gegenläufigen, unheilvoll schallenden Glockenbeats rein, um dann den verzerrten Bass auch einmal weiterlaufen zu lassen, was deutlich aggressiver daherkommt. Fliegen durch die Hood bringt dagegen wavy Sounds ran.

Dazwischen findet sich noch „Acid Rap“, der mit klassischerer Bassline daherkommt, die sehr fonky ausfällt und nur einen simplen Drumbeat und Kuhglocken braucht, um zum Dance-Off aufzufordern. Das kommt alles sehr oldschholig daher und zeigt ganz gut, wie der War of (Rap-/Beat-)Styles bei MCNZI aussehen kann.

Was kann der Text?

Den Text auf Style Wars gibt’s sowohl auf Deutsch und Englisch, was es ja durchaus nicht oft zu hören gibt. Die Kernthemen auf dem Album sind in Großen und Ganzen Sekt, Sekt auf Eis, die Sektmafia und der Sektgott. Warum MCNZI auch auf Deutsch rappt, wenn er ja auch auf Englisch flowen kann, erklärt er übrigens im Song „Alles Gut ? ( Hell Naw ! )“ auf der EP ‚Der Nachlass‘: „Das ist ganz einfach Dicker, weil wenn du es schaffst einfach mal die hässlichste Sprache überhaupt, sich smooth anhören zu lassen, Dicker, dann muss schon was daran sein, Dicker.“

Die englischen Texte helfen vor allem an den simpleren Textstellen weiter, bspw im Refrain von Dangerous Minds:„I GOT A DANGEROUS MIND aye“ Übersetzen könnt ihr euch das selbst, klänge nicht geil auf Deutsch. Trotzdem gibt’s den englischen Flow auch bei komplexeren Passagen, teilsweise mixen die Tracks auch beide Sprachen, wie zB „Straight From Da Burb“.

„Was nützt dir dein Szenekiez, wenn deine Hood dich nicht liebt?“

Oft dreht sich viel um die Heimatstadt Berlin und in Battlerap-Manier wird auch oft gegen andere Künstler ausgeteilt, ohne allerdings explizit welche zu benennen. Und so finden sich zwischen Hate an die Konkurrenz und der Zelebrierung des eigenen Lifestyles in Berlin viele Facetten. Egal ob die englische Sprache, Wurzeln in den Suburbs, Spielerei mit vermeintlichen Nazi-Begriffen (F.S.) oder der Techno-Floor.

Und dann gibt es da noch die Adlibs, die der Textebene den ultimativen Kick geben. Bestes Beispiel ist hier „Dangerous Minds“, der mit verzerrtem Reingeschreie eine hintergründige Aggressivität aufbaut, die durch den Song leitet, obwohl MCNZI stimmlich sonst sehr mild bleibt. Auch „Straight From Da Burb“ schlägt eine ähnliche Richtung ein, auch hier beleben die Adlibs die latente Grundagressivität. Das wirkt auf eine postitive Art sehr gestört.

Altogether?

Ergibt Style Wars von MCNZI eine Art Rap, die zum Dancefloor führt. Ohne stupides „Nehmt mal die Hände hoch‘“ und auch eher ohne Pogo, der bei LFE-Rappern generell schon en vogue ist. MCNZI macht Musik, die zum richtigen Tanzen gemacht ist. So für sich alleine und mit richtig reinsteigern in den Verlauf der Klänge. Ein Vibe, den man selten in der Rapumgebung findet.

Apropos andere LFE-Rapper und deren Einfluss auf die Wahrnehmung des Labels. Auch in dieser Beziehung macht MCNZI klare Ansagen.

„Das geht raus an all die Toys, die mein ich soll so sein wie Hurn. (KOLLEGE) Wenn ich komme, kommt nun mal die Bundeswehr. Ihr wollt mich alle roasten, doch habt bald schon keine Bullets mehr.“

MCNZI zeichnet sich durch eine smoothe Agressivität aus, die sich sowohl in den mit tiefer Stimme vorgetragenen Lyrics, als auch seinen Beats wiederfindet. Keinen Fick gebend und sich selber viel zu hart feiernd.

Allerdings nicht ausschließlich, denn die Vielseitigkeit macht das Album er komplett. Daher sind andere Einflüsse eine gute Auflockerung, wie bspw „Personality“ und „Mag dich mega alter (MDMA)“, die einzigen wirklich ruhigen Songs und dazu noch gesungen. Moderne Trap-Balladen, wenn man so will.

Der besondere Track

Ist auf Style Wars mit „Atzen Leben“ betitelt und der letzte Track auf dem Album. MCNZI beschreibt in diesem, wie ein junger, partyliebender Atze seine Nächte in Berlin verbringt und dabei Sekt auf Eis trinkt. Als Unterlegung gibt es einen Beat zum Stampfen mit straight durchballernden 4/4 Kicks und berlinertem Akzent vom Feinsten. Aufmerksamen Lesern sollte aufgefallen sein, dass viele der gesamten Themen noch einmal in einem Track zusammengeschmissen werden, was ihn zwar komplett überlädt, zum Ende des Albums allerdings auch das Beste ist, was hier noch passieren kann. Außerdem gibt es einen Diss gegen Ex-LFE’ler RIN – natürlich auch mit Bezug zum Sektgenuss.

Was sollte man machen, während man Style Wars hört?

Musikwiedergabegerät seiner Wahl aufdrehen und sich mit „Atzen Leben“ an einem Freitagabend schon mal auf den weiteren Verlauf der Nacht einstimmen. Klappt super, ich kann berichten, dass diese Empfehlung auch in der Wohnung unter einem durchaus Aufmerksamkeit bekommt.

Note

Safe 8 Stars für die Innovation. Kein 0815 Trap Shit.

 

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