Soft Entertainment | The Now Now von Gorillaz

Soft Entertainment | The Now Now von Gorillaz

Warum Gorillaz mit The Now Now?

Das letzte Album „Humanz“ hat mit deutlich zu vielen Features ziemlich enttäuscht. Die Bonustracks und zwischendurch releaste Songs waren da schon besser anzuhören und haben bereits darauf hingewiesen, dass Damon Albarn weiterhin neue Musik macht, auch nach der Veröffentlichung von Humanz. Bis zu The Now Now ist dann tatsächlich wenig Zeit vergangen und allein die Entstehung während der Reisen auf Tour erinnert an das Album „The Fall“, das eines der ausgefallensten Gorillaz-Alben ist. Daher besteht für das aktuelle Album zumindest die Hoffnung auf simplere Songs, die mehr von  2-D geprägt sind, als auf Humanz.

Wie klingt der Sound von The Now Now?

Der ausgekoppelte Song „Humility“ gibt die ungefähre Richtung des Album schon vor. In sommerlicher Umgebung in den USA laufen sommerlich-poppige Klänge, unterstützt von einem grinsenden Jack Black. An instrumentaler Vielfalt hat es dem Projekt Gorillaz eigentlich noch nie gefehlt und auch hier kann man das nicht behaupten. Trotzdem beschränken sich viele Songs auf ein und dieselbe Herangehensweise. Der Fokus von The Now Now liegt klar auf tanzbaren Tracks, die ein wenig Disco-Flair versprühen, cool wirken und trotzdem nicht zu platt sind, um von den Gorillaz zu kommen.

Viele wichtige Elemente werden vom Schlagzeug und dem Bass übernommen, die in manchen Titel nicht einmal wirkich variieren müssen. „Tranz“ setzt auf eine pulsierende Bassline und simple Drums, auch „Hollywood“ steigt nur mit dem grundlegenden Beat ein, „Lake Zurich“ tut dasselbe. Daruf aufgebaut werden dann verschiedene Synthie-Elemente, mal nur als Flächen im Hintergrund, mal mit einer Gorillaz-typischen Melodie. Das bringt zwar wieder alte Stärken zurück, indem eine Melodie simpel als Leitmotiv genutzt wird, ist allerdings in dieser Breite auch eintönig.

Zum Glück bietet das Album neben tanzbaren Songs auch ruhigere Nummern, die sich zwar musikalisch ähnlichen Elementen bedienen, dabei aber wenig wert auf ermunternden und energetischen Klang legen. „Kansas“ bringt das Bandmitglied „Ace“, das den Bass übernimmt solange Murdoc im Gefängnis ist, gut zur Geltung. Der Bass kommt mit einem dicken, leicht elektronischen Klang herein und gibt die gesungene Melodie des Refrains 1:1 vor. Eine schön melancholischer Song, simpelste Vorgehensweise und damit der perfekte Klang, den man von den Gorillaz erwarten kann. Auch „Magic City“ und „Fire Flies“ gehören zu den Nummern, die weniger verpoppt und damit ausgereifter klingen, als der Rest.

„Idaho“ und „Souk Eye“ brechen aus dem Kreis der elektronischen Klänge aus und setzen, zumindest teilweise, auf die Akustikgitarre als führendes Instrument. Das bringt zwar eine gewisse Abwechslung, wirkt allerdings auch langweilig und hat eher die Wirkung eines Schlafliedes, das man kleinen Kindern vorsingt.

Was kann der Text?

Die kurze Entstehungszeit, das Unterwegssein und das Fehlen einer großen Anzahl an Features prägen die Lyrics des Albums. Was bei „Humanz“ irgendwann ziemlich störend wurde, war die immense Anzahl an Feature-Gästen, die einfach zu viel Einfluss auf die Platte hatten. The Now Now bringt 2-Ds umherschweifende Gedanken wieder in den Vordergrund und wechselt dabei zwischen ortsbezogenen Erfahrungen und Träumereien.

Starke Statements oder politische Bezüge finden sich dabei kaum und passen wenig zur Machart des Albums. In „Humility“ wird Bezug auf Isolation und Staaten genommen, die als Ablehnung des Brexits in Großbritannien gesehen werden könnnen. „Hollywood“ versucht sich im Spagat der Beschreibung der Starmaschinerie und landet zwischen dem Traum eines jeden großen Künstlers und dem gleichzeitigen Neid und der toxischen Atmosphäre, die dort vorherrscht. Die restlichen Texte schwanken zwischen versuchter Selbsterkenntnis, Liebesschmerz, Drogenkonsum und ein wenig Humor.

Die Orte sind dabei sehr unterschiedlich assoziiert. „Idaho“ ist die sanfte Zurückerinnerung an den Aufenthalt auf Bruce Willis‘ Skithütte und die beeindruckende Natur der Gegend. Die „Magic City“ Miami hält 2-D dagegen mit ihren Verlockungen gefangen, die er aus einer trippy Perspektive beschreibt. „Lake Zurich“ ist, wenn man irgendwelche Interpretationen weglässt, einfach eine witzige Anekdote über eine Idee, die verworfen wurde, weil sie zu unsinnig war, um schlussendlich doch in einem ganzen Song vorgetragen zu werden.

In the morning it came to me / Build a tunnel from Zurich to New York. I find it hard to share this with anyone / Because even to me it sounded ridiculous. But one morning / After a long complicated night / I made my mind up, to share my vision with the world. Everything that follows / I’m not responsible for

Melancholisch und traurig wird es in „Kansas“. Hier versucht 2-D nach dem entäuschenden Ende einer Beziehung wieder in die Spur zu finden, schafft es aber nicht wirklich mit dem Geschehenen abzuschließen. Es stellt sich natürlich die Frage, ob man in Kansas noch etwas anderes machen kann, als durchzufahren und ob man deshalb auf solche Gedanken kommt. Andererseits wäre ich davon ausgegangen, dass Damon Albarn auf seiner Tour eher fliegt, als stundenlang Bus zu fahren. Auch in „Fire Flies“ sucht er einen Hoffnungsschimmer, der noch so klein sein mag, um endlich über seine Ängste hinwegzukommen. 2-D beschäftigt sich viel mit sich selbst und seinem Innenleben, was der Platte äußerst gut steht.

Altogether

The Now Now wird von einem kurzen Entstehungszeitraum, einem einheitlichen musikalischen Stil und vielen tanzbaren Stücken geprägt. Die Ähnlichkeit zu „The Fall“ ist in einzelnen Teilen durchaus vorhanden, die Städtebezüge sind vorhanden und auch die Musik ist eher einfach gehalten. Trotzdem ist der Klang von TNN deutlich mainstreaminger geworden und wirkt selbst mit seinen 11 Tracks oft zu eintönig. Daran können auch die guten und wandelbaren Lyrics von 2-D nichts ändern, der dem Album einen melancholisch angehauchten Stil verpasst.

Herausstechen tut dagegen das neue Mitglied Ace mit seinem Bass, der besonders auf den langsameren Songs gut zur Geltung kommt. Insgesamt sind diese ruhigen Titel die langlebigeren. Komprimiert wird das Album von den drei aufeinanderfolgenden Titeln „Lake Zurich“, „Magic City“ und „Fire Flies“ perfekt zusammengefasst und liefert einen äußerst unterhaltsamen Querschnitt durch die Stärken von TNN. Betrachtet man die kurze Entstehung und den daraus resultierenden Output, ist The Now Now eine enorme Steigerung zu Humanz und macht Lust auf mehr Spontanität in diesem Projekt von Damon Albarn und Jamie Hewlett.

Der besondere Song

Ist „Fire Flies“. Ein Track für einen kleinen Hoffnungsschimmer, der faszinierend arrangiert ist. Trotz der langsamen Bassline rüttelt die Hi-Hat im Hintergrund phasenweise hektisch herum und bringt Bewegung mit. Dazu gibt es den Wechsel der Taktart, der den Song quasi immer wieder unterbricht und neu strukturiert. Der Flow in der Bridge macht, im Gegensatz zum Refrain, auch vor diesem Taktwechsel nicht halt und ist gleichzeitig so smooth, dass sie den Track beinahe zum Ohrwurm macht.

Was sollte man tun, während man The Now Now hört?

Ein Wassereis am Stiel essen und durch die Stadt schlendern.

Note

Nicht der große Wurf, aber wieder greifbarerer Kontent als zuletzt. 7/10

 

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